Erstellt am 01. Januar 2012, 12:05

Schuldenkrise trübt Bilanz nach zehn Jahren Euro. Vor zehn Jahren, am 1. Jänner 2002, ist der Euro in zwölf Staaten zur offiziellen Währung geworden. Doch am Jubiläum ist kaum jemandem in der Währungsunion zum Feiern zumute - obschon der Euro seit der Bargeld-Einführung nicht nur für Negativschlagzeilen sorgte.

Die EU-Kommission plant für den zehnten Jahrestag der Euro-Bargeldeinführung keine Veranstaltung, wie ein Sprecher kurz vor Weihnachten wissen ließ. Die Kommission betonte zwar gleichzeitig die Bedeutung des Euro und erklärte, die Bürger der Euro-Zone könnten stolz auf die Gemeinschaftswährung sein. Die gegenwärtige Situation in der Währungsunion gibt allerdings kaum Anlass zum Feiern.

Zehn Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds steckt die europäische Gemeinschaftswährung in ihrer bisher schwersten Krise. Inzwischen wird selbst der Zusammenbruch von den politischen Führern in der EU als durchaus reale Gefahr eingeschätzt, deren Folgen man sich aber im Detail lieber nicht ausmalen möchte.

Als Sündenfall, der die aktuelle Krise mit verursacht hat, wird heute die Aufnahme Griechenlands in die Währungsunion am 1. Jänner 2001 - ein Jahr vor der Bargeld-Einführung - angesehen. Dass die Griechen die Kriterien für die Euro-Einführung nur mit Hilfe gefälschter Wirtschaftskennzahlen erfüllen konnten, wurde schon damals vermutet, aus politischen Gründen drückten die EU-Partner jedoch alle Augen zu.

Den gegenwärtigen Problemen zum Trotz sorgte der Euro auch für positive Schlagzeilen. Gegenüber dem US-Dollar verzeichnete die europäische Gemeinschaftswährung seit der Einführung als Bargeld deutliche Kursgewinne. Heute liegt der Kurs des Euro zum Dollar immer noch um die Hälfte über seinem Wert vor zehn Jahren, auch wenn er zuletzt sank.

Auch gegenüber dem Schweizer Franken legte der Kurs zunächst stetig zu, bis er Oktober 2007 mit 1,68 Franken ein Allzeithoch gegenüber der Schweizer Währung erreichte. Danach folgte allerdings ein massiver Einbruch, bis der Euro im vergangenen August einmal beinahe Parität zum Franken erreichte. Kurz darauf zog die Schweizerische Nationalbank die Notbremse und legte Anfang September einen Mindestkurs für den Euro von 1,20 Franken fest.

Auch der Ruf als "Teuro", welcher die Währung seit der Bargeld- Einführung anlastet, ist nicht gerechtfertigt. Zwar sind gemäß einer kürzlich durchgeführten Umfrage 85 Prozent der Deutschen überzeugt, dass der Euro im Zuge der Geld-Umstellung die Preise stark in die Höhe trieb. Allerdings hält die weit verbreitete Wahrnehmung der statistischen Überprüfung nicht stand: In Deutschland etwa ist die Teuerung seit der Euro-Einführung nicht gestiegen, sondern im Gegenteil gesunken, und auch in Österreich war die Inflation in der Euro-Ära deutlich geringer als im vorangegangenen Jahrzehnt.