Erstellt am 05. April 2013, 12:50

"Schwer depressiver" Ex-Begas-Chef in U-Haft. Etwa ein Jahr lang hat die Causa Rudolf Simandl Wirtschaftsprüfer, Medien und später auch die Ermittler beschäftigt. Nach der Festnahme in der Nacht auf Donnerstag wurde am Freitag die Untersuchungshaft über ihn verhängt.

Angeschlagen: Rudolf Simandl kann laut Gutachten erst in Monaten einvernommen werden.  |  NOEN, Foto: BVZ
Wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr kam der frühere Begas-Vorstand Simandl in U-Haft. Er sei "schwer depressiv", teilte sein Anwalt Roland Kier mit. Simandl werden laut Kier "eine Reihe von Untreuehandlungen" sowie Abgabenhinterziehung vorgeworfen.

Kier hat bereits Haftbeschwerde angemeldet. Für ihn ist die Tatbegehungsgefahr nicht gegeben, da Simandl längst nicht mehr in dem Unternehmen tätig sei. Auch die Verdunkelungsgefahr "ist mir nicht nachvollziehbar". Aufgrund der Beschwerde verlängert sich nun auch die Haftprüfungsfrist von normal 14 Tagen auf ein Monat. Die nächste Haftprüfungsfrist endet somit am 5. Mai, bestätigte Christina Salzborn, Leiterin der Medienstelle am Landesgericht für Strafsachen in Wien - dem zuständigen Gericht.

Simandl befindet sich nun in der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Es geht ihm laut seinem Verteidiger "furchtbar". "Er leidet an schwersten Depressionen - das geht auch aus einem Gutachten der Staatsanwaltschaft hervor." Wenn es nach Kiers Einschätzung geht, muss der Ex-Begas-Chef noch einige Zeit in der Justizanstalt bleiben. Denn: "Ich gehe davon aus, dass das Oberlandesgericht (OLG) erst in zwei, drei Wochen über die Haftbeschwerde entschiedet", so der Anwalt.

Für Simandl sei das eine enorme Belastung. "Er sitzt da und starrt die Wand an." Den Ex-Vorstand könne man wahrscheinlich "in den nächsten zwei Monaten nicht einvernehmen". Simandl erhalte starke Medikamente.

Depressionen: War bereits auch früher in Behandlung

Auch vor seiner Verhaftung in Wien war er in Behandlung. Berichte über eine Festnahme in einem Spital dementierte Kier am Freitag. Simandl sei in Wien im Kreise seiner Angehörigen festgenommen worden - unverständlicherweise, wie der Verteidiger meinte. Zu den Behauptungen, Simandl habe sich einer Ladung widersetzt, hielt er fest: "Das ist absolut unwahr."

Der Ex-Begas-Chef soll unter anderem 14 Mio. Euro in Liechtenstein gehortet haben, mittlerweile sollen zehn Mio. verschwunden sein. Weiters wurde in den vergangenen Wochen bekannt, dass Simandl einen Pkw mit Gas-Gutscheinen "gekauft haben soll. Einer der größten und scher wiegendsten Punkte dürfte die Bar-Übergabe von 1,325 Mio. Euro durch den Bauunternehmer Klaus Ortner sein.

Das Unternehmen überwies der heutigen Energie Burgenland (einst Begas und BEWAG, Anm.) 2,6 Mio. Euro. Die Firma hatte Simandl hohe Bargeldbeträge überwiesen und war sich nicht mehr sicher, ob diese ordnungsgemäß verwendet worden seien.

Als Grund für die Millionen-Übergabe soll der Ex-Begas-Chef damals gemeint habe, er benötige es, um mit dem Geld die "Rädelsführer" der Bürgerinitiative ruhigzustellen - es ging um die geplante Müllverbrennungsanlage in Heiligenkreuz, die mittlerweile jedoch längst vom Tisch ist. Mittlerweile wird - inklusive Simandl - gegen zwölf Personen ermittelt - darunter auch Ortner.

Warten auf Bericht bis Ende April

Simandl weist alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung. Von der Energie Burgenland hieß es auf Anfrage, dass man sich nicht dazu äußern werde. Aktuell warte man auf einen Zwischenbericht einer vom Aufsichtsrat beschlossenen Prüfung der Vergaben in der Begas. Dieser Bericht werde für Ende April erwartet, so ein Sprecher.