Erstellt am 20. Juni 2011, 17:36

Sonntagsöffnung erregt weiterhin die Gemüter. In der seit Jahrzehnten laufenden Debatte um längere Ladenöffnungszeiten wird ein neues Kapitel geschrieben. In der aktuellen Diskussion geht es um die Erlaubnis, an bestimmten, besonders umsatzträchtigen Sonntagen offen zu halten. In der ORF-Diskussionsendung "Im Zentrum" am Sonntagabend prallten altbekannte Allianzen aufeinander: Die Händler gegen die Gewerkschaft und die Kirche.

In der seit Jahrzehnten laufenden Debatte um längere Ladenöffnungszeiten wird ein neues Kapitel geschrieben. In der aktuellen Diskussion geht es um die Erlaubnis, an bestimmten, besonders umsatzträchtigen Sonntagen offen zu halten. In der ORF-Diskussionsendung "Im Zentrum" am Sonntagabend prallten altbekannte Allianzen aufeinander: Die Händler gegen die Gewerkschaft und die Kirche.

Die Debatte ausgelöst hatte Einkaufszentrumsbetreiber Richard Lugner, der vom prominenten Verfassungsjuristen Heinz Mayer beraten wird. Lugner und einige Kaufleute seiner Shopping City im 15. Wiener Gemeindebezirk wollen an umsatzstarken Sonntagen künftig die Geschäfte offenhalten und bringen deswegen eine Klage beim Verfassungsgerichtshof ein. Lugner erinnerte an eine Ausnahmeregelung während der Fußball-EM 2008, die um 80 Prozent mehr Umsatz gebracht habe - eine Aussage, die vom Chef der Privatangestelltengewerkschaft GPA, Wolfgang Katzian bezweifelt wurde.

Vorbehalte äußerte auch Fritz Aichinger, Sprecher der Händler in der Wirtschaftskammer. Er schätzte, dass 90 Prozent der Handels-Mitglieder gegen ein Aufsperren am Sonntag seien. Wirtschaftsminister Mitterlehner betonte zwar, nicht für eine generelle Sonntagsöffnung einzutreten - eine Öffnung an manchen Sonntagen sei aber speziell in Wien für den Tourismus notwendig.

Bei den Länderchefs wird der Vorstoß in Sachen Sonntagsöffnung abgelehnt. Für den Wiener Bürgermeister Häupl ist das momentan kein Thema. Auch der Landeshauptmann von Oberösterreich, Pühringer, hält die bestehenden Regelungen für ausreichend. Ähnliches ist aus Salzburg, der Steiermark und Vorarlberg zu hören. Innenministerin und ÖAAB-Bundesobfrau Mikl-Leitner hält die Ladenöffnungszeiten ebenfalls für ausreichend.

Derzeit arbeiten in Österreich etwa 470.000 Menschen schon regelmäßig am Sonntag. Im Handel sind 350.000 Personen beschäftigt, die Gewerkschaft schätzt, dass bereits jeder Zehnte davon am Sonntag arbeitet.