Erstellt am 21. Mai 2012, 14:09

Sorger zog Bilanz über acht Jahre an IV-Spitze. Veit Sorger, scheidender Präsident der Industriellenvereinigung (IV), siedelt den größten Misserfolg seiner beiden Funktionsperioden im September 2008 an. Damals sei es wenige Tage vor den Nationalratswahlen nicht gelungen, die Abgeordneten davon abzuhalten, Wahlzuckerl in Milliardenhöhe zu verteilen.

Vielfach irreparable Beschlüsse seien da gefallen, die "jedes Jahr 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro kosten, ohne dass Österreich dadurch einen Jota sozialer geworden wäre", erklärte Sorger am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Damals waren u.a. die Hacklerregelung verlängert und die Studiengebühren abgeschafft worden. "Es ist uns nicht gelungen, die damalige Regierung zu überzeugen", sagte Sorger, der am 21. Juni nach acht Jahren seinen Sessel räumt.

Auf der Habenseite führte Sorger das 2009 eröffnete Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg an, zu dessen Etablierung die IV beigetragen habe. Auch bei der Umstrukturierung des Forschungszentrums Seibersdorf in das Austrian Institute of Technology (AIT) habe die Industrie maßgeblich mitgewirkt.

Sorger war 2004 mit kontroversen Forderungen nach mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit angetreten. Auch wenn heute nicht alles so sei, wie er es damals gefordert habe, habe sich der Ist-Zustand den seinerzeitigen Forderungen angenähert, resümierte Sorger: "Die Realität hat uns eingeholt." Wenn etwas wirtschaftlich notwendig sei, "kommt es langfristig doch".

Sorger (69) will nach seinem Abgang zunächst auf eine längere berufliche Asienreise gehen und sich danach um seine Beteiligungen kümmern. Der frühere Frantschach-Manager hat nach eigenen Aussagen etwa 10 Mandate in Aufsichtsräten sowie als Berater, vorwiegend in der Industrie, aber auch für die Investmentbank Morgan Stanley.