Erstellt am 19. April 2012, 19:21

S&P dämpft Österreichs AAA-Hoffnungen. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat Hoffnungen gedämpft, dass Österreich bald wieder die Top-Bonitätsnote Triple-A erhalten könnte. "Es gibt keinen Zeithorizont und Ratingentscheidungen sind schwer vorhersehbar", sagte der für Österreich zuständige S&P-Analyst Alois Strasser.

Diese Woche hatte die Agentur Fitch das österreichische AAA-Rating bestätigt. Finanzministerin Fekter hatte daraufhin mit Auswirkungen auf das S&P-Rating gerechnet.

Österreich habe das Triple-A vor allem wegen "europäischer Faktoren" und nicht wegen dem Bankenexposure der heimischen Kreditinstitute in Osteuropa verloren, erklärte der aus Oberösterreich stammende Analyst. Es gebe in der Eurozone "sehr wohl Fortschritte, aber auch Risiken. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Krise jetzt vorbei ist". Die Eurozonenstaaten sollten seiner Ansicht nach ihre Wachstumspolitik forcieren. "Der Fokus auf Konsolidierung ist allein nicht ausreichend. Es braucht auch ein Wachstumselement", betonte der S&P-Analyst. Die Abhängigkeiten voneinander in der Eurozone seien viel größer geworden. Die Bereitstellung von Liquidität (1.000 Mrd. Euro) durch die EZB für die europäischen Banken im Rahmen der langfristigen Refinanzierungsoperation (LTRO) hätte zu einer Stabilisierung geführt. Diese Maßnahmen waren auch "positiv für die Ratings".

Bei den heimischen Banken sieht S&P Handlungsbedarf: Die österreichischen Banken seien schwach mit Eigenkapital ausgestattet und damit im internationalen Vergleich am unteren Ende. "Es gibt einige Banken, die in den nächsten Jahren möglicherweise noch Eigenkapital brauchen", betonte Strasser. Die großen heimischen Banken seien "relativ gut" aufgestellt. "Die Krise in Osteuropa ist noch nicht vom Tisch und es könnte noch zu gewissen Ausfällen für die österreichischen Banken kommen", erklärte er.

Die Sparmaßnahmen der österreichischen Bundesregierung werden von der Ratingagentur durchaus positiv bewertet. "Die Konsolidierungsbemühungen gehen in die richtige Richtung". Man werde sich die Umsetzung aber sehr genau ansehen. Eine in der Verfassung verankerte Schuldenbremse hätte "durchaus Charme", sei aber von S&P nie gefordert worden, betonte Strasser. Vor allem in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Pensionen gebe es wegen des demografischen Wandels noch Reformbedarf.