Erstellt am 07. März 2012, 16:11

Spannung vor "Domino Day" in der Eurozone. Am Donnerstag ist "Domino Day" im internationalen Finanzsystem: Bis zum Abend müssen die privaten Gläubiger Griechenlands mitteilen, ob sie dem Land einen großen Teil seiner Schulden erlassen.

Stimmen nicht ausreichend Banken, Versicherungen und Investmentfonds dem Schuldenschnitt zu, könnte die Krise wie bei einem Domino-Spiel nicht nur Griechenland, sondern auch weitere Wackelkandidaten wie Italien und Spanien zu Fall bringen.
 
   Die Anspannung ist groß. "Nach den Informationen, die uns vorliegen, dürfte der Schuldenschnitt reibungslos verlaufen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der französischen Zeitung "Le Figaro" vom Mittwoch. In den vorsichtigen Optimismus stimmte auch die griechische Regierung ein. "Ich denke, dass alles gut laufen wird", sagte Regierungssprecher Giorgos Stavropoulos dem Radiosender Skai.
 
   Die griechische Regierung hat ihren privaten Gläubigern angeboten, die von ihr ausgegebenen Staatsanleihen in neue, sicherere Schuldscheine mit längerer Laufzeit und einem niedrigeren Zinssatz umzutauschen. Insgesamt schuldet die griechische Regierung privaten Gläubigern mehr als 200 Mrd. Euro, etwa rund 107 Mrd. Euro sollen ihr durch den Schuldenschnitt erlassen werden.
 
   Die Banken, Versicherungen und Fonds sollen somit freiwillig zum finanziellen Überleben des Landes beitragen - und lieber auf einen Teil ihres Geldes verzichten, als im Fall einer Staatspleite nichts zu bekommen. Denn ohne den Beitrag der privaten Finanzbranche wollen die Euro-Länder auch kein Steuergeld mehr nach Athen überweisen.
 
   Die Euro-Finanzminister haben erklärt, dass sie nur bei einem erfolgreichen Schuldenschnitt auch den Rest eines zweiten Milliardenpakets in Höhe von 130 Mrd. Euro endgültig freigeben. Geplant sind dafür eine Telefonkonferenz am Freitagabend und ein Treffen am Montag in Brüssel.
 
   Einen Zwischenstand vermeldete am Mittwoch der Internationale Bankenverband IIF, der im Auftrag der Finanzhäuser den Schuldenschnitt aushandelte: Zwar hatten bis dahin mehrere Gläubiger ihre Beteiligung zugesagt, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz. Sie besitzen demnach zusammen aber nur rund 39 Prozent der gesamten Schuldscheine. Als Ziel hat die Regierung in Athen eine Quote von 75 Prozent ausgegeben, die von der Aktion erfasst werden soll, EU-Diplomaten nannten sogar eine Abdeckung von "mindestens" 90 Prozent.
 
   Wenn bis Donnerstag um 21.00 Uhr nicht noch weitere Zusagen eintreffen, muss ein Notfallplan her. Für Unsicherheit sorgen die nicht vom IIF vertretenen Investmentfonds. Zum Beispiel wollen sich fünf griechische Pensionsfonds Medienberichten zufolge nicht an dem Anleihen-Umtausch beteiligen. Sie halten aber nur Anleihen im Wert von rund zwei Mrd. Euro. Gefahr droht Athen von ausländischen Fonds, die wesentlich größere Summen in Griechenland-Bonds investiert haben.
 
   Die Regierung in Athen hat bereits angekündigt, dass sie die Besitzer von unter griechischem Recht ausgegebenen Anleihen mit nachträglich eingefügten Haftungsklauseln zum Verzicht zwingen könnte. Dieser wäre dann allerdings nicht mehr freiwillig und hätte wohl die Auszahlung von Kreditausfallversicherungen zur Folge, mit denen sich Investoren gegen eine Pleite Griechenlands abgesichert haben.
 
   Gerade die Investmentfonds könnten sich also dem Schuldenschnitt verweigern, da sie diese Versicherungsprämien einstreichen wollen. Das sei "kein Szenario", dass verfolgt werde, sagte Rehn. "Im Gegenteil." Denn die Folgen sind kaum vorauszusagen, Turbulenzen auf den Finanzmärkten werden befürchtet.
 
   Am schlimmsten wäre ein vollkommenes Scheitern des Schuldenschnitts und somit ein unkontrollierter Staatsbankrott Griechenlands. Der IIF beschreibt in einer Analyse in diesem Fall ein Horrorszenario, in dem auch Italien und Spanien Finanzhilfe brauchen und die Europäische Zentralbank in Schwierigkeiten gerät. Die weltweiten Kosten einer Griechenland-Pleite liegen demnach bei einer Billion Euro.