Erstellt am 07. Februar 2012, 12:43

Spitzenhotellerie setzt verstärkt auf Zeitarbeiter. Im Vorjahr waren mit im Schnitt 185.000 Beschäftigten so viele Personen im Fremdenverkehr tätig wie nie zuvor - gleichzeitig nimmt aber die Zeitarbeit und die geringfügige Beschäftigung zu.

So setze die Spitzenhotellerie verstärkt Leiharbeiter ein - insbesondere in der Küche und beim Putzen - was da und dort zu Qualitätsproblemen führe, warnt Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida.

Dabei verdiene ein Koch oder ein Stubenmädchen ohnehin bereits weniger als eine Putzkraft im privaten Bereich, rechnete Kaste vor. So kommen die Zimmermädchen in den ersten fünf Dienstjahren gerade einmal auf rund 1.200 Euro Brutto-Monatslohn. Kein Wunder, dass die Branche einen Fachkräftemangel hat, so sein Resümee vor Journalisten. Er legte eine Postwurfsendung des Diskonters Hofer vor, der deutlich über den Kollektivlöhnen zahlt - im dritten Lehrjahr um immerhin 400 Euro im Monat mehr und fragte laut, warum sich die Tourismusbranche dies nicht leisten können soll.

Den Vorschlag der Arbeitgeber, junge Leute mit Gutscheinkarten zu locken, ortet Kaske "um Lichtjahre hinter der Zeit". Auch dass die Wirtschaftskammer die mangelnde Mobilität der Lehrlinge beklagt, findet Kaske zum Kopfschütteln. Schließlich würden hier 15-Jährige "durch die Republik geschickt", deren Lehrherren dann auch Erziehungsberechtigte wären. "Welche Eltern wollen das schon", fragte Kaske.

In den mittleren und höheren Schulen für den Tourismus-Nachwuchs ist die Bereitschaft, später in den Fremdenverkehr zu wechseln, "erschreckend gering", warnt Kask. Bei seinen Gesprächen mit Schülern hätten sieben von zehn gesagt, nach der Ausbildung in einem anderen Bereich arbeiten zu wollen. Oft komme dieser Frust bereits nach dem ersten Praktikum, wo sich so mancher Schüler als billige Hilfskraft wiedergefunden habe.

Und auch in der Lehre ortet Kaske Missstände. So sei es im vergangenen Sommer in einem "sehr, sehr bekannten" Hotel dazu gekommen, dass zehn Lehrlinge aufgenommen wurden, wissend, dass nur fünf nach einer dreimonatigen Probezeit behalten werden. "Sie können sich vorstellen, wie frustrierend das für die Jugendlichen ist", gab Kaske zu bedenken.