Erstellt am 23. Dezember 2011, 15:55

Staatsanwalt sieht Straftatbestand in Buwog-Affäre. Die Affäre um von einem Anwalt entwendete Akten betreffend Ex-Finanzminister Grasser und die Causa Buwog schlägt in Liechtenstein und Österreich weiter hohe Wellen. Laut Liechtensteins Leitendem Staatsanwalt Robert Wallner liegt in der Aktenaffäre der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung vor.

Die Affäre um von einem Anwalt entwendete Akten betreffend Ex-Finanzminister Grasser und die Causa Buwog schlägt in Liechtenstein und Österreich weiter hohe Wellen. Laut Liechtensteins Leitendem Staatsanwalt Robert Wallner liegt in der Aktenaffäre der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung vor.

"Wir gehen davon aus, dass dem Rechtsanwalt vom Gericht klar mitgeteilt wurde, dass die Unterlagen nicht an ihn ausgefolgt werden sollen, weil eben ein neues Rechtshilfeersuchen (aus Wien, Anm.) vorliegt", sagte Staatsanwalt Wallner am Freitag im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radio. Der Anwalt habe die Unterlagen im Rahmen einer Akteneinsicht ohne Wissen des Gerichts entnommen und aus dem Gericht entfernt. Die Akten befanden sich sechs Wochen lang außerhalb des Gerichts und waren auch bei zwei Hausdurchsuchungen nicht auffindbar.

Laut Darstellung der Liechtensteinischen Anwaltskanzlei sind die Vorwürfe "haltlos und ohne jede Grundlage". Das Vorgehen des Anwalts habe keine strafrechtlichen Vorschriften verletzt, denn der Rechtsgrund für die Einbehaltung der Unterlagen durch das Gericht sei weggefallen. Man habe dem Mandanten die Unterlagen "unverzüglich gegen Quittung ausgehändigt". Wallner bestätigte, dass "dieses Faktum im Zuge der Erhebungen bekanntgeworden ist".

Die Liechtensteinische Rechtsanwaltskammer hat indes beim dortigen Obergericht ein Disziplinarverfahren gegen jenen Rechtsanwalt beantragt. Außerdem soll Grassers Treuhandgesellschaft Ferint, kurz nachdem die Akten vom Anwalt der Kanzlei Marxer an das Gericht zurückgegeben wurden, aus Effretikon in der Schweiz abgesiedelt und umbenannt worden sein, berichtet die Schweizer Zeitung "Tagesanzeiger". Grassers Treuhandgesellschaft Ferint heißt "seit zwei Wochen Sotavento und residiert bei einem Treuhänder in der Stadt Zürich". "Zufall oder nicht?", kommentiert der "Tagesanzeiger" diese Vorgänge. Sotavento ist der Name eines Strands auf der kanarischen Insel Fuerteventura. "Die Ferint AG taucht auch in den Akten auf, die nun in Liechtenstein verschwunden sind", berichtet die Tageszeitung "Österreich".