Erstellt am 12. Oktober 2011, 13:50

Stahlbranche will trotz Konjunktursorgen glänzen. Die Stahlindustrie mit den deutschen Branchengrößen ThyssenKrupp und Salzgitter will sich von den zunehmenden Konjunktursorgen nicht die Stimmung verderben lassen.

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Der Weltstahlverband hob am Mittwoch auf einer Konferenz in Paris seine Verbrauchsprognosen für dieses und das kommende Jahr an. Allerdings werde die Nachfrage nach dem Werkstoff vor allem durch aufstrebende Länder wie China und Indien angefeuert. In Europa werde das Wachstum schwächer ausfallen. Die deutschen Hersteller rechnen nur mit einem vorübergehenden Dämpfer. Die Zeit für Preiserhöhungen scheint aber vorerst vorbei zu sein.

   Die Stahlbranche, die mehrere hundert Milliarden Euro umsetzt, trifft sich in der französischen Hauptstadt zur Weltstahlkonferenz. "Wir sind vorsichtig optimistisch", sagte der Chef des Wirtschaftsausschusses des Weltstahlverbandes, Daniel Novegil zur Eröffnung. 2011 würden wohl etwa 1,4 Mrd. Tonnen des Werkstoffs verbraucht - bisher hatte die Schwerindustrie mit 1,36 Mrd. Tonnen gerechnet. Das Plus liege bei 6,5 Prozent. Im kommenden Jahr klettere der Wert um weitere 5,4 Prozent auf 1,47 Mrd. Tonnen. Für China gelte der gleiche Trend. Die Volksrepublik ist mit Abstand der größte Stahlproduzent und -verbraucher.

   Die Prognose stellte Novegil unter den Vorbehalt, dass die aufstrebenden Länder die Nachfrage weiter ankurbeln und die Regierungen in Europa die Staatsschuldenkrise in den Griff bekämen. Die Nachfrage in den Industriestaaten liege trotz der Zuwächse noch unter früheren Höchstständen. In China werde sie vor allem von dem Bausektor angetrieben.

   Nach einem Einbruch während der Wirtschaftskrise hatten Stahlkocher wie Weltmarktführer ArcelorMittal, ThyssenKrupp und Salzgitter ihre Hochöfen wieder kräftig angeheizt. Zuletzt hatten die Unternehmen aber von einer schwächeren Nachfrage von Kunden aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau berichtet.

   Die Stahlkocher haben die Produktion daher zuletzt etwas zurückgefahren - allerdings auch um die Preise zu verteidigen. "Die Verunsicherung der Konsumenten durch die Schuldenkrise beginnt die Realwirtschaft zu beeinträchtigen", sagte der Chef des österreichischen Herstellers voestalpine, Wolfgang Eder, der "Financial Times Deutschland". Weitere Preiserhöhungen ließen sich vorerst nicht durchsetzen. Im kurzfristigen Handel sind die Preise der europäischen Hersteller der Ratingagentur Fitch zufolge teilweise sogar um ein Viertel zurückgegangen.

   In den vergangenen Wochen hätten sich die konjunkturellen Perspektiven eingetrübt, sagte auch der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, auf der Konferenz in Paris. "Davon bleibt auch die Stahlindustrie in Deutschland nicht unberührt." Die Anzeichen sprächen zwar nur für einen vorübergehenden Dämpfer, der 2012 überwunden werde. Wegen der zuletzt zurückhaltenden Bestellungen der Kunden sieht der Verband die Produktionsprognose für das laufende Jahr aber nicht mehr als gesichert an.

   Im Abschlussquartal werde die Erzeugung wohl den Auftragseingängen folgen, sagte Kerkhoff. "Unsere Prognose von 45,5 Millionen Tonnen ist daher mit einem Abwärtsrisiko verbunden, aber nicht unerreichbar." Der Vorjahreswert von 43,8 Millionen Tonnen werde aber übertroffen. Wegen der konjunkturellen Verunsicherung bemühten sich die Stahlkunden darum, die Lager auf ein niedriges Niveau herunterzufahren. Die aktuelle Lage werde jedoch von den Stahlverarbeitern weiterhin als gut eingestuft. "Eine Rezession, geschweige denn ein ähnlicher Absturz wie im Herbst 2008, ist unwahrscheinlich."