Erstellt am 14. Januar 2012, 07:12

Standard & Poor's senkte Bonität Österreichs. Nach der Herabstufung von Österreich, Frankreich und sieben weiteren Euro-Ländern durch die Ratingagentur Standard & Poor's bemühen sich die Politiker um Schadenbegrenzung.

Unklar sind vor allem die Auswirkungen auf den Euro-Rettungsfonds EFSF, nachdem das Euro-Schwergewicht Frankreich - wie auch Österreich - seine Top-Bonität verloren hat.

Deutschland steht nach Einschätzung von S&P zwar hervorragend da, doch dies könnte nach Einschätzung von Beobachtern auch dazu führen, dass es einen noch höheren Beitrag zur Euro-Rettung zahlen muss als bisher. Die Abstufung Österreichs von AAA auf AA+ "spiegelt Auswirkungen sich vertiefender politischer, externer, und monetärer Probleme innerhalb der EU und der Eurozone wider, in die Österreich eng eingebunden ist" schreibt die Ratingagentur Standards & Poor's in der Begründung ihrer Österreich-Entscheidung. Der Ausblick wird auf negativ gesetzt: "Dies weist darauf hin, dass für eine weitere Herabstufung des Ratings in 2012 oder 2013 eine Wahrscheinlichkeit von mindestens einem Drittel besteht."

Österreich habe sein Top-Rating vor allem wegen der engen Verflechtung mit Ungarn und Italien und den wirtschaftlichen Problemen in diesen beiden Staaten verloren, sagte Finanzministerin Fekter zur APA. Sollte es bei der Bank-Austria-Mutter UniCredit "etwas geben", würden milliardenschwere Haftungen der Gemeinde Wien schlagend, was den Staatshaushalt belasten würde. Sollte Österreichs Verschuldung - die derzeit bei rund 72 Prozent des BIP liegt - über 80 Prozent steigen, dann würde S&P eine weitere Abwertung der Bonität vornehmen, so Fekter. Die Chance auf eine Abstufung werde von S&P mit 1:3 angegeben.

Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger bezeichneten die Abstufung als unverständlich. In einer gemeinsamen Pressemitteilung sprachen sie von einem Alleingang, verwiesen auf das Festhalten der Agenturen Moody's und Fitch am Triple-A-Rating und kritisierten die ungleiche Behandlung einzelner Eurozonen-Mitgliedsstaaten durch S&P. Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny wertete die Herabstufungen durch S&P als "spektakuläre Demonstration gegenüber dem Euroraum". S&P wolle damit darauf hinweisen, dass die Finanzstabilisierung im Euro-Raum zu langsam verlaufe.

Neben Österreich und Frankreich stufte S&P am Freitagabend auch Italien, Spanien, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern herab. Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Finnland bewertet die Agentur weiter mit der Spitzennote AAA. Außer für Deutschland und die Slowakei sieht Standard & Poor's den Ausblick für die Bonität aller Euro-Staaten negativ. Schwierigkeiten gibt es derzeit auch in Griechenland, wo der geplante Schuldenschnitt mit Bankenbeteiligung noch nicht unter Dach und Fach ist, und bei den Vorbereitungen für einen Fiskalpakt. Kritiker warnen vor einer Aufweichung der Bedingungen.