Erstellt am 29. Juli 2015, 03:56

von Bettina Eder

Standort gefährdet. IV fordert Verwaltungsreform und Maßnahmen zur Standortsicherung. IV-Chef Gerger: „Massiv nachgelassen.“

 |  NOEN, Michael Pekovics BVZ
Steigende Kosten und sinkende Erträge bereiten der Industrie Kopfzerbrechen. Das zeigt das jüngste Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) Burgenland. Es gebe zwar eine allgemein positive Entwicklung, der hohe Kostendruck wirke sich aber negativ auf die Beschäftigungszahl und die Investitionsfreudigkeit aus.

Hinderlich für das Wachstum sei „der Vertrauensverlust in die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen am Standort und die Regulierungs- und Bürokratiewut“. „Wir haben (Anm.: in Österreich) massiv in allen Rankings nachgelassen“, so IV-Chef Manfred Gerger, der flankiert von den Chefs dreier Industriebetriebe – Anton Schubaschitz (Leykam), Beate Kälz (Sanochemia) und Gerhard Ploy (Teerag Asdag) – die Situation verdeutlichte. In der Eurozone seien die Lohnstückkosten ab 2010 bis 2014 um 4,7 Prozent, in Österreich dagegen um 9,1 Prozent gestiegen.

Wirtschaftspolitische Maßnahmen gefordert

Nicht zuletzt sei damit auch der Standort Österreich und Burgenland gefährdet: „Ich wüsste keinen Investor, dem ich erklären könnte, warum er sich jetzt im Burgenland ansiedeln sollte.“ Die bereits ansässigen Unternehmen seien permanent damit beschäftigt Kosten einzusparen, das „fängt bei Teilautomatisierungen und Serviceleistungen an. Und das bedeutet meist auch weniger Köpfe und Arbeitsplätze“.

Gerger forderte von der Politik wirtschaftspolitische Maßnahmen ein, um den Industriestandort Burgenland wettbewerbsfähig zu erhalten. Dabei gehe es um die Senkung der Lohnnebenkosten und der zu komplexen Lohnverwaltung sowie einer umfangreichen Verwaltungsreform. Genauso – wie es jedes Unternehmen tue – müsse auch in der Verwaltung Kosten reduziert werden. Bliebe alles beim Alten, sei man nicht mehr wettbewerbsfähig und es stünden auch Firmenabwanderungen im Raum.

„Wenn die Herrschaften nicht bereit sind, sich zu bewegen oder in ihren Bünden ersticken und wenn uns immer nur Sand ins Getriebe geschüttet wird und der Unternehmer selbst als schlecht dargestellt wird, ja was bleibt uns dann noch über als in die Slowakei, China oder sonst wohin zu gehen?“, so Gerger. Niemand wünsche sich, dass die Arbeitsplätze ins Ausland gehen, aber die Firmen stünden „bei den Kosten mit dem Rücken zur Wand“.