Erstellt am 17. Mai 2013, 14:30

Steuertricks der Konzerne provozieren Parlamente. In der Debatte über grenzübergreifende Steuertricks geraten internationale Konzerne immer stärker unter Druck.

So muss sich Amazon in Großbritannien auf unbequeme Fragen vor einem Parlamentsausschuss gefasst machen, nachdem über umfangreiche Finanztricks des weltgrößten Internet-Versandhändlers berichtet worden war.

"Wir müssen Amazon ganz dringend noch einmal vorladen und sie mit all dem konfrontieren, was sie enthüllt haben", sagte die Vorsitzende des Ausschusses für Öffentliche Angelegenheiten im Unterhaus, Margaret Hodge. Sollte sich herausstellen, dass Amazon das Parlament bei einer früheren Anhörung belogen habe, wäre dies eine "sehr ernste Angelegenheit".

In den USA und Europa hat die Debatte über Steuersparmodelle von Großkonzernen zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen. In den USA soll Apple-Chef Tim Cook in der nächsten Woche im Kongress Rede und Antwort stehen. Auch der Suchmaschinenbetreiber Google und die Kaffeehauskette Starbucks waren in die Kritik geraten.

So setzte Google in Großbritannien von 2006 bis 2011 etwa 18 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) um, zahlte aber nur 16 Millionen Dollar (12,4 Millionen Euro) Steuern. Amazon zahlte in den vergangenen sechs Jahren trotz eines Umsatzes im Königreich von 23 Milliarden Dollar nur rund 9 Millionen Dollar Steuern.

Als Grund hatte der Amazon-Spitzenmanager Andrew Cecil bei einer ersten Anhörung im November angeführt, dass das britische Geschäft nicht eigenständig sei und die wichtigen Entscheidungen am Firmensitz in Luxemburg gefällt würden. Deshalb zahle Amazon vor allem dort Steuern - bei deutlich niedrigeren Steuersätzen.

Die Ausschuss-Vorsitzende Hodge forderte die Steuerbehörden auf, noch einmal genau zu prüfen, inwieweit Amazon wirklich alle Steuern gezahlt habe, die es nach geltendem Recht an das Königreich hätte entrichten müssen.

Aus Amazon-Mitteilungen, Stellenausschreibungen sowie Schilderungen ehemaliger Amazon-Mitarbeiter und Zulieferer geht hervor, dass die britische Sparte Amazon.co.uk Ltd. alles andere ist als eine virtuelle Zweigstelle des globalen Konzerns und über recht ähnliche Strukturen wie gewöhnliche Einzelhändler verfügt. Unterschied: Diese zahlen deutlich mehr Steuern.