Erstellt am 30. November 2011, 08:00

Strafanzeige gegen AWD-Gründer Maschmeyer. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat gegen den Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, sowie aktuelle und frühere Geschäftsführer von AWD Österreich und das Unternehmen selbst bei der Staatsanwaltschaft Wien Strafanzeige wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs eingebracht.

Es geht um den Verkauf von Immofinanz- und Immoeast-Aktien. Der AWD weist die Vorwürfe zurück.

Der Akt der bereits im April eingebrachten Strafanzeige liegt mittlerweile bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, die bereits Zeugen einvernommen hat. Rund 1.800 vom VKI vertretene Anleger wollen sich einem etwaigen Strafverfahren als Privatbeteiligte anschließen.

Seit fast drei Jahren muss sich AWD in Österreich wegen des Verkaufs von Immofinanz- und Immoeast-Aktien vor Gericht herumschlagen. Der VKI wirft dem AWD vor, Kleinanlegern die Immoeast- und Immofinanz-Papiere in großem Stil als sichere Anlage verkauft zu haben. Fünf Sammelklagen im Namen von 2.500 mutmaßlich Geschädigten und einem Streitwert von 40 Millionen Euro sind bereits gerichtsanhängig.

Wie in den Zivilklagen lautet der Hauptvorwurf des VKI in der Strafanzeige auf systematische Fehlberatung. Offenbar haben die Verbraucherschützer in den vergangenen Jahren umfangreiches Material zur Causa AWD gesammelt - von internen Schulungsunterlagen bis hin zu Verträgen und brisanten Aussagen ehemaliger hochrangiger Manager über das "Innenleben" des Strukturvertriebs. Die VKI-Anwälte von der Wiener Kanzlei Soyer & Partner sowie Rechtsvertreter Stephan Briem haben die Erkenntnisse des Vereins in eine 83 Seiten starke Strafanzeige gepackt. Im September und Oktober folgten zwei Nachträge mit neuem Beweismaterial.

Der VKI kommt zum Schluss, dass Maschmeyer, bis 31. September 2009 Vorstand der deutschen AWD Holding AG, "maßgeblich für die Entwicklung und Durchsetzung der betrügerischen Strategie des AWD" verantwortlich gewesen sei. Sein unternehmerisches Verhalten sei geprägt von einer "Diskrepanz zwischen Sein und Schein". Die Verdächtigen - 20 an der Zahl - werden allesamt des schweren gewerbsmäßigen Betrugs bezichtigt. Der AWD habe seine Kunden nicht über das Risiko von Immofinanz- bzw. Immoeast-Aktien aufgeklärt und zur einseitigen Übergewichtung des Portfolios in Immobilienaktien geraten. Die Papiere seien unter Hinweis auf das "einseitige, irreführende und tendenziöse" Sachverständigengutachten von Leopold Wundsam unrechtmäßig als mündelsicher angepriesen, die Veranlagung in einzelne Immobilienaktien in betrügerischer Absicht als Veranlagung in "Immobilienfonds" bezeichnet worden. Der AWD hätte sich aus Sicht des VKI auch nicht als "unabhängiger Finanzoptimierer" bezeichnen dürfen.

AWD Österreich wies die vom VKI erhobenen Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit und auf das Schärfste zurück". Man werde "alle notwendigen rechtlichen Schritte gegen diese unternehmensschädigende Kampagne ergreifen und insbesondere entsprechende Maßnahmen wegen sämtlicher in Betracht kommender Delikte gegen den VKI und dessen Verantwortliche einbringen", hieß es in einem Statement des Unternehmens.