Erstellt am 02. Oktober 2014, 11:11

von APA Red

Alle sechs Minuten passiert ein Wildtierunfall. Gerade im Herbst sind Wildtiere immer wieder Auslöser schwerer Unfälle. Statisch gesehen ereignet sich alle sechs Minuten in Österreich ein derartiger Unfall, dabei werden jährlich mehr als 350 Personen verletzt.

Durchschnittlich kommen pro Jahr rund 83.000 Wildtiere bei Unfällen im Straßenverkehr zu Tode, teilte der österreichische Versicherungsverband am Donnerstag mit.

"Betrachtet man den Durchschnitt der Jahre 2012 und 2013, so lässt sich festhalten, dass sich jährlich rund 313 Wildunfälle mit Personenschaden auf Österreichs Straßen ereignen. Bei diesen Unfällen werden durchschnittlich drei Personen pro Jahr getötet und 355 Personen zum Teil schwer verletzt", erklärt Peter Thirring, Vizepräsident des österreichischen Versicherungsverbandes (VVO), bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.

Diese Zahlen enthalten aber nur jene Wildtierunfälle, bei denen Personen zu Schaden kommen. Die Anzahl der Unfälle, bei welchen es reine Sachschäden oder ein verunglücktes Wildtier gibt, ist jedoch deutlich höher: "Durchschnittlich kommen in Österreich 83.466 Wildtiere pro Jahr im Straßenverkehr zu Tode. Dies bedeutet, dass sich in Österreich im Durchschnitt alle sechs Minuten ein Verkehrsunfall mit einem Wildtier ereignet, bei welchem das Tier verendet", so Thirring.

Ausweichmanöver bergen hohes Risiko

"Besonders gefährlich sind Übergangsbereiche zwischen Wald und Feld. Fahrzeuglenker sollten sich der Gefahr prinzipiell bewusst sein, wenn sie am Straßenrand das Gefahrenzeichen 'Achtung Wildwechsel' sehen", erklärte Othmar Thann, Direktor des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). "Wie Studien gezeigt haben, erwarten 80 Prozent der Autofahrer ganz unbewusst, dass das Tier von rechts kommt. Tatsächlich quert das Wild jedoch gleichermaßen von beiden Seiten."

Springt ein Tier auf die Straße, heißt es: "Ruhe bewahren, umsichtig bremsen, abblenden und hupen", rät Thann. Ist ein Zusammenstoß mit einem Wildtier unvermeidlich, sollte man stark bremsen und das Lenkrad gut festhalten. Wenn der Fahrer richtig reagiert, ist die Verletzungsgefahr bei einem Zusammenstoß mit einem Wildtier für die Autoinsassen relativ gering. Riskante Ausweichmanöver sind zu vermeiden, sie bergen ein höheres Risiko als ein Zusammenstoß mit dem Tier.

"Getötetes Wild keinesfalls mitnehmen"

"Ähnlich wie der Mensch sind Wildtiere Gewohnheitstiere. Sie benutzen bevorzugte Routen, um von A nach B zu gelangen. Und es ist immer der Mensch, der mit dem Bau von Straßen in die angestammten Lebensräume der Tiere eingedrungen ist", erklärte Peter Lebersorger, Generalsekretär der Zentralstelle der österreichischen Landesjagdverbände. "Besondere Vorsicht ist vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung wichtig, denn da wechselt das Wild zwischen Futterplätzen und Einständen", so der Experte. Die gewaltigen Kräfte, die frei werden, wenn Mensch (Auto) und Tier zusammenkrachen, werden meist massiv unterschätzt. "Das Aufprallgewicht eines Wildschweins mit 80 Kilo auf ein 50 km/h schnell fahrendes Auto beträgt zwei Tonnen", warnte Lebersorger.

Ist ein Unfall passiert, muss die Gefahrenstelle so schnell wie möglich abgesichert und anschließend die Exekutive verständigt werden. "Noch ein wichtiger Tipp, der viel Ärger und Kosten ersparen kann: Getötetes Wild darf auf keinen Fall vom Fahrer mitgenommen werden, auch nicht zum Tierarzt. Auch das kann als Diebstahl gewertet und empfindlich bestraft werden", so Lebersorger.