Erstellt am 16. Juli 2011, 11:48

Stresstest - Kreditinstitute ziehen Konsequenzen. Bereits kurz vor der Bekanntgabe des europaweiten Banken-Stresstests haben die ersten Teilnehmer Konsequenzen gezogen. Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) ist durchgefallen und verkauft nun ihre Osteuropa-Tochter VBI an die russische Sberbank.

Die ebenfalls durchgefallene griechische EFG Eurobank spricht über den Verkauf ihrer türkischen Tochter, und die Piraeus Bank (sie bestand den Test) will ihr Geschäft in Ägypten an Standard Chartered veräußern.

Das half den kapitalschwächeren Instituten zwar nicht mehr, um die Belastungsprobe unter 90 europäischen Häusern besser zu bewältigen. Sie zeigten damit aber, dass sie Konsequenzen aus dem Test ziehen, wie die europäische Bankenaufsicht EBA es forderte.

Kritiker bemängelten im übrigen, dass der Stresstest die Schuldenkrise in Südeuropa und eine Staatspleite Griechenlands unzureichend ins Kalkül zog. Griechische Anleihen notierten in der Realität bis zu 50 Prozent unter Buchwert.
Vor allem deutsche und französische Banken sitzen auf großen Posten griechischer Bonds.

Der eigentliche Wert des Stresstests liegt für viele Kapitalmarktexperten daher in der Transparenz: Rund 3.000 Daten musste jede Bank veröffentlichen - von der Laufzeit all ihrer Staatsanleihen bis zu einer Ergebnisprojektion für dieses und das nächste Jahr. 2010 waren es nur 100 Daten. Kritiker hielten das für gefährlich, da es einige Häuser zum Ziel von Spekulanten machen könnte.

Banken, die im Test durchgefallen sind, müssen bis Ende September Gegenmaßnahmen ergreifen - es sei denn sie waren schon vorher in Sanierungsprogrammen. Wer nur knapp bestand, also mit einer Fünf vor dem Komma, soll unter besondere Beobachtung der Aufseher gestellt werden.