Erstellt am 06. September 2011, 15:41

"Stumpfsinnige Debatte" über höhere Lebensmittelpreise. Der Chef des Raiffeisen-Mühlenkonzerns Leipnik-Lundenburger, Josef Pröll, kritisiert die "stumpfsinnige Debatte" über steigende Lebensmittelpreise.

Wenn man die Nachhaltigkeit in der Nahrungsmittelproduktion forcieren wolle, dürfe man nicht ständig über Preisdruck sprechen, sagte der Ex-Vizekanzler am Dienstag bei einer Diskussionsveranstaltung des Handelsriesen Rewe (u.a. Billa, Merkur) in Wien. "Wir haben einen Wahlkampf darüber entschieden, wie viel Teuerungsausgleich wir geben", sagte Pröll mit Blick auf die von der ÖVP verlorene Nationalratswahl 2008.

Der frühere Landwirtschafts- und Umweltminister kritisierte, "dass die hauptpolitische Debatte, wenn es um Inflation geht, immer die Nahrungsmittel sind". "Wenn wir die Nachhaltigkeit forcieren wollen, dürfen wir uns nicht dazu verleiten lassen, ständig über Preisdruck zu diskutieren. Das tun wir, und das geht nicht zusammen."

Dabei stehe die österreichische Landwirtschaft schon jetzt unter hohem Wettbewerbsdruck, habe aber auch mit EU-Ausgleichszahlungen "viel hinüberretten können". Um diese sorgt sich Pröll vor den bevorstehenden EU-Budgetverhandlungen. Flächendeckende, ökonomisch stabile Landwirtschaft koste nämlich auch Geld "abseits des Nahrungsmittelpreises", sagte er mit Blick auf die Subventionszahlungen. "Oder wir werden es uns über den Nahrungsmittelpreis holen."

Zu seiner neuen Tätigkeit meinte der Ex-Vizekanzler: "Ich habe die Fronten gewechselt und kann jetzt das umsetzen, was ich als Politiker immer verlangt habe." Leipnik-Lundenberger sei zwar "als Unternehmen hinlänglich unbekannt", habe aber als größter Mehlproduzent Europas eine "zentrale Rolle" bei der Forcierung von Nachhaltigkeit. Es werde dieser Verantwortung auch gerecht, etwa durch das Anbieten fair gehandelter Produkte, betonte Pröll in der Podiumsdiskussion mit Rewe-Chef Frank Hensel, der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (G) und dem deutschen Ex-Außenminister Joschka Fischer.