Erstellt am 23. Mai 2012, 07:22

Täglich verschwinden 15 Hektar Boden für Bauern. Jeden Tag verschwinden in Österreich 15 Hektar Äcker und Wiesen, weil auf ihnen Wohn-, Industrie- oder Gewerbegebiete gebaut, Straßen asphaltiert oder Bahngleise verlegt werden, kritisierten Dienstagabend Bauernvertreter in Wien.

Den deutschen Bauern gingen auf diese Weise täglich rund 90 Hektar landwirtschaftliche Fläche, umgerechnet 120 Fußballfelder, verloren. Landwirtschaftskammer-Präsident Wlodkowski fordert dazu auf, mit Boden sorgsamer umzugehen und spricht sich für eine Bund-Länder-Vereinbarung aus. Alte Industriegelände sollten zu Ackerland umfunktioniert werden, Gemeinden müssten zusammenarbeiten. Nicht in jeder Gemeinde müsse ein Sportplatz oder eine Kulturhalle stehen. Auch sei die Dichte an Einkaufszentren auf der grünen Wiese so hoch wie nirgends sonst. "Ob man das braucht, ist zu hinterfragen", sagte Wlodkowski.

Unterstützung bekommt Wlodkowski von Gerd Sonnleitner, Präsident des Europäischen und Deutschen Bauernverbandes, der für seine Zunft mit dem populistischen Slogan "Stoppt den Flächenfraß" in die Bresche springt. Denn auf versiegelter Fläche wachse kein Getreide. Da landwirtschaftliche Flächen ohnehin begrenzt seien, schmerze die Energiewende in Deutschland zusätzlich, sagte Sonnleitner. Pro Kilometer neuer Stromtrasse würden fünf bis sieben Hektar Boden hergenommen.

Den Einwand, dass Bauern auch Nutznießer waren, indem sie Äcker verkauften, ließ Sonnleitner nicht gelten. Auch Wlodkowski räumte ein, dass viele Bauern nicht verkaufen wollten.

Während man in Österreich zunächst einmal eine "Bewusstseinsbildung in Gang setzen" will, sind die deutschen Bauern schon viel weiter. Nach der Unterschriftensammlung für eine Petition und einer Rede im Deutschen Bundestag im Mai, die laut Sonnleitner bei allen Parteien auf Zustimmung stieß, geht es nun in die parlamentarische Beratung. Eine Petition wie in Deutschland strebt Wlodkowski nicht an.