Erstellt am 19. Oktober 2016, 14:47

Welcher Lehrberuf hat Zukunft?. Trotz häufiger wirtschaftlicher aber auch gesellschaftspolitischer Umbrüche hat sich das Lehrlingswesen bereits über Jahrhunderte bewiesen.

Wirtschaftskammerpräsident Ing. Peter Nemeth, Landesschulratspräsident Mag. Heinz Josef Zitz, Berufsbildexperte Mag. Wolfgang Bliem sowie das Team des Restaurants Henrici und Kinder der Volksschule Eisenstadt
 
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„Gerade deshalb ist es von Seiten der Wirtschaft notwendig, in Zeiten der Liberalisierung die Lehre nicht zu missachten und weiterhin Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, das Handwerk traditionell in dualer Form zu erlernen“, erklärt Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth.

86 Betriebe beim "Tag der Lehre"

Die Präzisierung handwerklicher Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Bewältigung von Aufgabenstellungen des wirtschaftlichen Berufslebens zeugen von der Qualität der Lehrlingsausbildung. Zu der oft kritisierten fehlenden Praxiserfahrung bei AHS Ausbildungen komme es bei der Lehrausbildung erst gar nicht, weil die Lehrlinge ihr praktisches, aber auch fachliches Wissen zu einem Großteil direkt im Betrieb erwerben, so Nemeth.

Um Kindern bereits frühzeitig über die Chancen und Möglichkeiten einer Lehrausbildung zu informieren hat die Wirtschaftskammer Burgenland in Kooperation mit dem Landesschulrat das Format „Tag der Lehre“ ins Leben gerufen. 86 burgenländische Lehrbetriebe öffnen heuer bereits zum vierten Mal ihre Türen und zeigen ca. 2.000 Schülerinnen und Schülern aus 56 Schulen die spannenden Aufgabenfelder welche die Lehre in der jeweiligen Branche mit sich bringen.

„Gut ausgebildete Lehrlinge sind die Fachkräfte von morgen. Ausbildung bedeutet Chancen am Arbeitsmarkt und ist auch für Wertschöpfung und Wohlstand von ganz großer Bedeutung“, so Landesschulratspräsident Mag. Heinz Josef Zitz. Die Berufsausbildung sei dem Land Burgenland ein zentrales Anliegen. In vier Berufsschulen erlernen die Lehrlinge Praxis und Theorie, erklärt der Landesschulratspräsident.

30% entscheiden sich für Lehrausbildung

Modernste Labors und Werkstätten, Maschinen und Geräte, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, die beispielgebende Praxisorientierung, die Möglichkeit für den Erwerb von Zusatzqualifikationen an den Berufsschulen sowie bestens ausgebildetes Lehrpersonal sind, laut Zitz, Garanten für eine Ausbildung auf höchstem Niveau. Gerade deshalb investiere das Land Burgenland laufend in die Berufsschulen des Landes.

„Die burgenländischen Berufsschulen richten die Lehrpläne an den aktuellen Anforderungen der Berufspraxis aus, bauen den Unterricht auf klaren praxisrelevanten Lehrzielen auf, achten auf vernetztes Denken, nachhaltiges Behalten und die Vermittlung sozialer Werte. Damit die Lehre weiterhin am Puls der Zeit bleibt, wird die Qualität der Ausbildung laufend weiterentwickelt“, erklärt der Landesschulratspräsident.

Im Burgenland entscheiden sich rund 30 % eines Altersjahrganges für eine Lehrausbildung in 130 verschiedenen Lehrberufen, analysiert Berufsbildungsexperte Mag. Wolfgang Bliem vom ibw-Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft.

Drittel entscheidet sich für vier Berufe

Ein Drittel dieser Lehrverhältnisse fokussiert sich auf die vier Lehrberufe Metalltechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Elektrotechnik und Installations- und Gebäudetechnik. Zunehmend unter Druck geraten – so Bliem - voraussichtlich Berufe mit eher stark strukturierten Tätigkeiten, geringem kreativem Potenzial und Tätigkeiten mit wenig sozialem Kontakt.

„Aktuellen Auswertungen zufolge finden Lehrlinge nach absolvierter Ausbildung nicht nur rascher eine Beschäftigung als Absolventen anderer Ausbildungsschienen, sie sind auch insgesamt häufiger erwerbstätig“, erklärt Bliem, „weiters erzielen nur Akademiker einen höheres monatliches Durchschnittseinkommen als Lehrabsolventen.“

Das Burgenland ist im Bundesländervergleich durch die höchste Dichte an Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) gekennzeichnet. Eine Konsequenz daraus ist, dass rund 60 % aller Jugendlichen im Burgenland in der 10. Schulstufe eine BMHS besuchen, gegenüber 40 % im österreichischen Durchschnitt. Charakteristisch ist außerdem, dass vergleichsweise viele Jugendliche aus dem Burgenland in andere Bundesländer pendeln, um eine Lehre zu absolvieren.

Mehr Infos: wko.at/bgld

Fakten zur Lehrlingsausbildung:

Mit 30.9. waren 2.501 Lehrlinge in 801 Lehrbetrieben beschäftigt. 124 offenen Lehrstellen stehen per 30.9.2016 214 Lehrstellensuchenden gegenüber.