Erstellt am 17. August 2011, 13:09

Telekom-Skandal weitet sich aus. Der Skandal rund um die Kursmanipulation bei der börsenotierten Telekom Austria weitet sich aus. "Ich bin über die Situation schockiert", eröffnete CEO Hannes Ametsreiter am Mittwoch die Halbjahresbilanzpressekonferenz in Wien.

Der heutige Vorstand habe aber mit den "Malversationen" von 2004 nichts zu tun, versicherte er. Dass er selber seinen damals als Marketingleiter erhaltenen 92.000 Euro-Bonus auf ein Treuhandkonto eingezahlt habe, sei "kein Schuldeingeständnis". Mittlerweile wurden in der Kursaffäre und wegen "Malversationen" bei Immobiliengeschäften Anzeigen eingebracht, wegen der Telekom-Geschäften mit Peter Hocheggers Valora ist das Unternehmen nun Privatbeteiligter im Strafverfahren gegen Hochegger, Walter Meischberger und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser rund um die Buwog.

Bei der Aktienmanipulation werde man gegen Vize-Finanzvorstand Gernot Schieszler und Festnetzvorstand Rudolf Fischer sowie den früheren Geschäftskundenleiter Josef Trimmel "die vollen Schadenersatzansprüche" geltend machen, also auf 9 Mio. Euro Schadenersatz klagen. Anzeigen gegen Ex-CEO Heinz Sundt und gegen Ex-Finanzvorstand Stefano Colombo würden geprüft, bestätigte Ametsreiter. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Die Bonuszahlungen von insgesamt 9 Millionen Euro an 100 damalige Telekom-Manager will der Konzern offenbar wiederhaben. Eine mögliche Rückforderung der Zahlungen werde noch arbeitsrechtlich geprüft, erläuterte Ametsreiter. Er selber wolle jedenfalls nicht von einem Bonus profitieren, der offenbar unrechtmäßig zustande kam, "das ist eine Frage des Anstands". Die ÖIAG habe der Telekom klare Leitlinien für die Aufarbeitung der Causen gegeben, schilderte Ametsreiter.

In der Causa Valora hat sich die Telekom als Privatbeteiligte den strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Lobbyisten Peter Hochegger angeschlossen. Gegen Hochegger, den Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger, Karl-Heinz Grasser und den Immobilienmakler Ernst Karl Plech wird wegen der 9,6-Mio. Euro-Provision im Rahmen der Buwog-Privatisierung im Jahr 2004 ermittelt, die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück.

"Zusammenhänge zwischen der Causa Valora und der Kursmanipulation sind dem internen Untersuchungsbericht der Telekom zu entnehmen, der bei der Staatsanwaltschaft liegt", so Ametsreiter. Weiter wolle er das nicht kommentieren. Die Telekom hat mit Hilfe eines forensischen Experten einen 400 Seiten starken Untersuchungsbericht erstellt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Dazu wurden rund eine Million Dokumente untersucht und 30 Gespräche mit Mitarbeitern geführt.

Weitere Baustelle ist der Immobilienbereich: Hier habe die Telekom vergangene Woche eine Anzeige gegen einen früheren leitenden Mitarbeiter eingebracht, so Ametsreiter. Auch im Immo-Bereich seien "Malversationen" aufgetaucht. Näheres wollte dazu nicht sagen, die Anzeige liege bei der Staatsanwaltschaft. Nähere Angaben machte der Telekom-Chef dazu nicht.

Der Rechtsstreit in der Kursaffäre werde nicht lange dauern, glaubt Ametsreiter: "Wir erwarten einen schnellen Prozess, weil die Verantwortlichkeiten eindeutig zuordenbar sind", verwies er auf ein Geständnis eines Mitarbeiters. Außerdem habe sich Gernot Schieszler der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge angeboten, dies habe er über die Medien erfahren. Zu den möglichen Kosten des Verfahrens äußerte er sich nicht.