Erstellt am 28. Oktober 2015, 05:52

von Bettina Eder

Testpatienten als Aufreger. Krankenkassen rücken ab 2016 per Gesetz zur Überprüfung der Ärzte mit Scheinpatienten aus. Ärzte fühlen sich bespitzelt und üben Kritik.

Test. In den Wartezimmern könnten ab sofort auch Schein-Patienten sitzen. Foto: Shutterstock/Robert Kneschke  |  NOEN, Shutterstock/Robert Kneschke
Die Wiener Gebietskrankenkasse hat’s seit 2011 vorgemacht, alle anderen Sozialversicherungen müssen mit nächstem Jahr nachziehen: Das Aufregerthema „Mystery Shopping“, also Test-Patienten in den Arztpraxen, ist beschlossene Sache.

Es ist Teil des im Nationalrat fixierten Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz mit dem einerseits Scheinfirmen und anderseits eben auch falschen Abrechnungen der Ärzte, dem Krankenstands- bzw. dem E-Card-Missbrauch – etwa durch Ausweispflicht in den Spitalsambulanzen –  der Kampf angesagt werden soll.

Aufreger unter den Ärzten ist, dass die Sozialversicherung im Verdachtsfall Test-Patienten zur Überprüfung ärztlicher Leistungsverrechnungen ausschickt.

„Hier wird ein Keil zwischen Arzt und Patient getrieben“

Die Ärztekammer sieht darin eine Bespitzelung der Ärzte und übt Kritik: „Hier wird Misstrauen aufgebaut und ein Keil zwischen Arzt und Patient getrieben. Der Arzt muss dem Patienten ja glauben können und nicht Angst haben, dass er in eine Falle gelockt wird“, so Präsident Michael Lang.

„Es untergräbt ja auch nicht das Vertrauen zwischen Polizei und dem Bürger, wenn Radarkontrollen durchgeführt werden [...] aber hätten wir sie nicht, würden alle rasen“, verbildlicht Franz Schenkermayr, der Leiter der sechsköpfigen Ermittlergruppe in der Wiener Gebietskrankenkasse.

Er betont weiter, dass Testpatienten nur im begründeten Verdachtsfall „als letztes Mittel“ eingesetzt werden. Im Burgenland hat man sich damit abgefunden, Lang dazu: „Es ist Gesetz, wir haben klar deponiert, dass wir dagegen sind und jetzt muss man schauen, wie wir damit leben können.“