Erstellt am 05. November 2014, 06:36

von Markus Stefanitsch

Der (Vor-)Reiter im Land. Karl Reiter (Supreme und Family in Bad Tatzmannsdorf sowie Allegria in Stegersbach) setzt auf Bescheidenheit und hofft auf mehr (regionale) Wertschätzung.

Ohne Fleiß kein Preis! Zum neunten Mal das beste Wellness-Hotel in Österreich: Karl Reiter lebt das, was er tut. „Es gibt so eine Sehnsucht nach intakter Welt. Also machen wir‘s doch einfach hier im Burgenland.“  |  NOEN, Michael Pekovics/BVZ

Burgenlands Vorzeige-Hotelier Karl Reiter gibt nur selten Interviews. Seine Zeit widmet er lieber seinen Hotels, seiner Familie, seinen Mitarbeitern oder seinen Visionen.

Dabei hat der mittlerweile im Burgenland „eingebürgerte“ Tiroler viel zu erzählen. Nicht nur im Tourismus. Generell. Aber speziell über das Burgenland.

„Toleranz muss touristisch mehr Thema werden“

„Was das Burgenland wirklich auszeichnet, ist die Toleranz. Beispielsweise, wo unsere Kinder in den Kindergarten gehen, sind 20 verschiedene Nationen in der Volksschule. Und die gehen alle nett miteinander um. Diese Toleranz muss touristisch noch viel mehr Thema werden“, wünscht sich Karl Reiter.

Gepaart mit Regionalität und Saisonalität wäre das Burgenland so etwas wie ein Juwel. Die Menschen, ob als Gast oder als Mitarbeiter, würden sich nach solchen Regionen sehnen.

„Burgenland als Beispiel für die ganze Welt“

„Eigentlich sind wir im Burgenland ein Beispiel für die ganze Welt. Aber die ständigen Diskussionen über Preise und Arbeitszeiten halten uns davon ab, absolute Topleute zu bekommen. Da ist unser Image leider weit, weit unterm Wert“, ärgert sich der Hotelier.

Nirgends sei das Preis-Leistungs-Verhältnis so top wie im Burgenland. „Bei uns zahlt der Gast einen leistbaren Preis und gleichzeitig kann der Bedienstete auch in Würde leben. Schaut man etwa nach Dubai, so kostet dort die Nacht in einem Hotel etwa so viel, wie ein Angestellter im Monat verdient.“

Deshalb müsse endlich auch die Kritik am Tourismus punkto Arbeitszeiten und Preis aufhören. „Im Handel regt sich niemand auf, und dort müssen die Leute auch schon bis um 20 Uhr arbeiten.“

Alle rundherum werden eingebunden

Für ihn selbst, gibt es das Wort „Work-Life-Balance“ nicht. Karl Reiter hat eine 7-Tage-Arbeitswoche. „Du musst das, was du tust, gerne tun“ – ist eines der Erfolgsrezepte des Unternehmers. „Man muss selber Vorbild sein und man muss auch viel für die Bediensteten tun. So gibt es bei uns einen Sieben-Tage-Kindergarten zwölf Stunden am Tag und gerade haben wir das dritte Mitarbeiter-Haus gebaut. Es muss dem Mitarbeiter passen, dann passt es auch dem Gast.“

Karl Reiter setzt beim Personal auf die Region: Rund zwei Drittel der Angestellten sind Inländer. Aber nicht, weil er was gegen Ausländer hat – im Gegenteil. „Wenn du in Italien Urlaub machst, willst ja auch lieber den italienischen Kellner“.

Er liebt die Region Südburgenland und versucht auch rundherum alle einzubinden. So beliefern rund 300 regionale Lieferanten seine Hotels. Die Wertschätzung allerdings gegenüber seinen Erfolgen hält sich (noch) in Grenzen. Dass man als fleißiger, erfolgreicher Unternehmer immer gleich als „G’stopfter“ abgestempelt wird, stößt Karl Reiter sauer auf.

„Dabei hab ich nachweislich noch nie was aus dem Unternehmen rausgenommen, sondern immer gleich wieder investiert.“ Es gehe ihm nicht darum, große Gewinne zu machen, sondern etwas für „nette Leute zu tun, die unsere Arbeit auch wertschätzen“.

Spagat zwischen Vision und täglicher Arbeit

Die geringere Wertschätzung, andere würden es als Neid bezeichnen, würde bereits auch auf die Behörden überschwappen. „Das nenn ich oft schon Sekkiererei. Dabei geht es mir nicht um Personen. Die schätze ich alle. Das System ist schuld. Viele Beamte können oft aus Selbstschutz gar nicht anders und machen uns das Leben unnötig schwer. Hier muss die Politik für Harmonie und gute Rahmenbedingungen sorgen.“

Wobei er schon betont, dass speziell mit den Politikspitzen des Landes die Zusammenarbeit bestens funktioniert.

Die größte Herausforderung für Karl Reiter ist es, den Spagat zwischen großen Visionen und der täglichen Basisarbeit zu schaffen. Bereits in Tirol wurde er zunächst für „verrückt“ gehalten, als er damals beim elterlichen Betrieb in Achenkirchen (Posthotel) 280 Betten zusätzlich bauen ließ – samt Wellness-Bereich. Und das zu einer Zeit, wo die Tiroler Hotels maximal 80 Betten hatten.

„Alle haben gemeint, dass das nicht gut gehen könne“, lächelt Karl Reiter. Heute sind derartige Hotels Standard – von den Wellnessbereichen gar nicht zu reden.

Hoffen auf mehr Unternehmer-Geist im Tourismus

Karl Reiter ist in vielerlei Hinsicht Vorreiter. So kreist seit einigen Jahren schon eine nächste große Vision im Kopf herum. Vor dem Family-Hotel in Bad Tatzmannsdorf soll ein urbanes Statement entstehen. Nach Vorbild Paris, London oder New York. Mehr will er dazu aber noch nicht verraten.

Wer Karl Reiter kennt, kann jetzt schon drauf wetten, dass es etwas Einzigartiges und Außergewöhnliches in Europa sein wird. Zumindest am Anfang – bevor es überall zum Standard wird.

Wünsche hat Karl Reiter auch noch genug: So hofft er auf noch mehr Unternehmer-Geist im Tourismus. „Es ist genug Platz für neue Reiters und Maiers oder wie sie sonst noch heißen“. Zudem müsse das Image des Gastgebers ein anderes werden. Wirt sein heißt heutzutage nicht „blad und b’soffen“ zu sein, sondern erfüllt beinahe eine therapeutische Funktion.

Fast so wie Karl Reiters Ansagen an das Burgenland: „Es gibt das schöne alte Burgenland und das schöne neue Burgenland. Verbinden wir es. Wir alle haben die große Sehnsucht nach intakter Welt. Also machen wir?s doch einfach hier im Burgenland.“