Erstellt am 30. Juli 2014, 07:01

von Bettina Eder

Orte verlieren Geld. Durch das neue Gesetz verlieren die Gemeinden bis zur Hälfte ihrer Einnahmen aus der Ortstaxe.

Regen. Das Wetter könnte die Bilanz für die zweite Jahreshälfte trüben. Foto: Müllner  |  NOEN, MUELLNER Werner
Als eine „schwere Geburt“ könnte man das neue Tourismusgesetz bezeichnen. Viele Punkte wurden im Vorfeld lange diskutiert, manche beschäftigen die Gemeinden auch jetzt in der Begutachtungszeit.

Aufteilungsschlüssel der Ortstaxe geändert

Denn für viele Gemeinden bedeutet das Gesetz nicht nur das Ende ihrer eigenen kleinen Tourismusverbände – ein Minimum von 20.000 Nächtigungen pro Jahr ist für einen Verband künftig Voraussetzung –, sondern auch weniger Einnahmen.

Der Aufteilungsschlüssel der Ortstaxe von 1,50 Euro wurde geändert. Die Gemeinde verliert etwas mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Einnahmen aus der Taxe. Die Tourismusverbände bekommen genauso wie der Burgenland Tourismus mehr vom Kuchen.

„Die Verbände verpflichten sich im Gegenzug, in die touristische Infrastruktur zu investieren“, so Tourismus-Landesrätin Michaela Resetar. „Das passiert schon jetzt, allerdings wird es jetzt explizit festgehalten“, so Mario Baier, Direktor des Burgenland Tourismus.

„Wir wollen, dass das Geld ins Marketing kommt“

„Momentan geben wir zu viel Geld für die Verwaltung aus, wir wollen, dass das Geld ins Marketing kommt“, so Landeschef Hans Niessl.

Diskussionsstoff dürfte es noch in einem anderen Punkt geben. Einige örtliche, vom Aus bedrohte Verbände sind in von der Gemeinde ausgelagerte Betriebe integriert. Fallen diese weg, könnten die betreffenden Freibäder oder Freizeitbetriebe wieder komplett an die Gemeinde und damit in deren bisher „Maastricht-konformes“ Budget fallen.

Baier dazu: „Für die Lösung dieser und ähnlicher rechtlicher, beziehungsweise vertraglicher Verpflichtungen wurde eine lange Übergangszeit eingerichtet.“ Das Gesetz soll im Herbst beschlossen werden und mit Anfang 2015 in Kraft treten.

Zitiert: „Erwarten uns Profilierung“

„Wir erwarten uns natürlich auch eine entsprechende Profilierung der Regionen. Die Aufgabe der Gemeinden ist jetzt, die Stärken der Region herauszuarbeiten und Angebote zu machen.“
Landesrätin Michaela Resetar

„Wir geben zur Zeit das meiste Geld für die Verwaltung aus. Wir wollen, dass das Geld ins Marketing gesteckt wird. Das sind grundlegende Änderungen, die auch eine entsprechende Zeit brauchen.“
Landeshauptmann Hans Niessl

„Es hat lange gedauert, aber wir haben uns die Zeit für diese grundlegenden Änderungen genommen. Strukturen werden vereinfacht, Aufgaben neu verteilt.“
Resetar-Büroleiter Thomas Böhm


Tourismuszahlen Jänner bis Juni 2014

Mit einem Nächtigungsplus von Mai bis Juni 2014 von 5,2 Prozent und einem Plus von 8,2 Prozent bei den Gästeankünften ist das Burgenland sehr gut gestartet.

Im Juni wurden laut den vorläufigen Zahlen der Statistik Austria bei den Ankünften um 21 Prozent mehr Gäste gezählt, bei den Übernachtungen um 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Von Jänner bis Juni weist das Burgenland neben Wien die höchsten Zuwächse auf. Im ersten Halbjahr 2014 kamen um sieben Prozent mehr Gäste, es konnten um 4,5 Prozent mehr Übernächtigungen verzeichnet werden.

„Neben der Entwicklung einer neuen gesamtheitlichen Strategie für die Angebote Therme, Wellness, Kur, Reha und Medical Treatment setzt Burgenland Tourismus in der zweiten Jahreshälfte einen Schwerpunkt auf den Radtourismus“ betont Tourismuslandesrätin Michaela Resetar (ÖVP).

Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), Präsident von Burgenland Tourismus: „Im Tourismus legen wir zu und erreichen im Vergleich zu den anderen Bundesländern Topwerte. Wir müssen jedoch auch die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung schaffen.“