Erstellt am 24. Juni 2012, 11:19

Treichl hält Euro für Fehlkonstruktion. Erste Group-Chef Treichl schätzt den Euro in der derzeitigen Form als Fehlkonstruktion ein.

"Dass die Einführung des Euro in dieser Form ein Fehler war, sollte man auch einmal offen sagen", sagte er dem Magazin "Trend". Die Politik müsse sich entscheiden, "in welche Richtung Europa" gehe: Entweder in Richtung einer demokratisch legitimierten europäischen Regierung oder die Auflösung des Euro. Treichel ist nach eigenem Bekunden "ein großer Fan Europas", kann sich Europa aber auch gut ohne gemeinsame Währung vorstellen. "Es kann ein gemeinsames Europa ohne den Euro geben", sagte Treichl. Für das Friedensprojekt Europa sei wohl eine gemeinsame Armee entscheidender als eine gemeinsame Währung.

"Derzeit ist völlig klar, dass die Länder, die nicht im Euro sind, einen Vorteil gegenüber den Euro-Ländern haben. Eine solche Situation darf es nicht mehr geben. Die Tschechen zahlen für ihre Staatsanleihen etwa die Hälfte der benachbarten Slowakei, nur weil sie nicht im Euro sind. Der Euro ohne freien Warenverkehr, ohne freien Liquiditätsverkehr, ohne freien Kapitalverkehr macht keinen Sinn - genau das passiert aber jetzt."

Was die Euro-Rettungsmaßnahmen betrifft, äußerte sich Treichl skeptisch: "Was wir in den letzten Monaten sehen, ist, dass die Halbwertszeit von Reparaturmaßnahmen immer kürzer wird. Die 100 Milliarden Euro für Spanien haben drei Tage lang gewirkt. Der Ausgang der griechischen Wahl hat nichts bewirkt."

Zu seiner umstrittenen Äußerung über "zu blöde, zu feige, zu unverständige Politiker" meint Treichl, dass sie den gewünschten Effekt gehabt habe: "Im letzten Jahr ist wirklich sehr viel passiert, um genau den angesprochenen Fehler im Regelwerk von Basel III (zur Kreditvergabe an KMUs, Anm.) auszumerzen."