Erstellt am 09. Juni 2011, 16:13

Trotz Hellaskrise bleibt EZB auf Zinserhöhungskurs. Die Europäische Zentralbank dürfte trotz der Angst vor einer Staatspleite Griechenlands ihren Leitzins im Juli abermals erhöhen. Notenbankchef Trichet signalisierte am Donnerstag in Frankfurt wie an den Finanzmärkten erwartet einen solchen Schritt und begründete ihn mit der deutlich anziehenden Teuerung in der Währungsunion.

"Die Preisrisiken sind aufwärts gerichtet. Deshalb ist große Wachsamkeit angebracht", sagte Trichet am Donnerstag im Anschluss an die turnusmäßige Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt. "Wir sind jetzt in einem Modus, in dem es bei unserem nächsten Treffen zu einer Zinserhöhung kommen kann."

Zuvor hatte der EZB-Rat den Leitzins wie am Finanzmarkt erwartet bei 1,25 Prozent belassen. Die Währungshüter hatten den Schlüsselzins für die Versorgung des Bankensystems mit frischem Zentralbankgeld im April zum ersten Mal seit Mitte 2008 angehoben. Zuvor hatten sie den Zinssatz in der Finanzkrise bis auf ein Prozent gesenkt. Damals hatte Teuerungsdruck wegen der desolaten Lage der Weltwirtschaft und gedämpfter Rohstoffpreise jedoch so gut wie keine Rolle gespielt.

Dass aus Sicht der EZB die Furcht vor einer ausufernden Teuerung begründet ist, zeigen die neuen EZB-Prognosen zu Inflation und Wachstum in der Euro-Zone. Die EZB-Ökonomen gehen nun für dieses Jahr im Mittel von einer Inflationsrate von 2,6 (März-Prognose: 2,3) Prozent aus. Die Teuerung würde damit noch deutlicher als bisher befürchtet über dem Zielwert von knapp unter zwei Prozent liegen, bei dem die EZB von stabilen Preisen spricht. Für das kommende Jahr rechnen die Volkswirte der Zentralbank wieder mit nachlassendem Preisdruck.