Erstellt am 04. November 2011, 12:08

Trotz steigender Arbeitslosigkeit Fachkräfte gesucht. Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird im kommenden Jahr weiter steigen. Das Arbeitsmarktservice (AMS) geht von einem Plus um 9.100 oder um 3,7 Prozent auf eine Jahresdurchschnittswert von 255.900 Jobsuchende aus. Nicht berücksichtigt in der Prognose seien aber Euro-, Schulden- und Griechenland-Krise, so AMS-Vorstand Johannes Kopf.

"Es besteht eine hohe Prognoseunsicherheit".
Das AMS geht in seiner Prognose von einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent aus und ist damit deutlich optimistischer als die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo (plus 0,8 Prozent) und IHS (plus 1,3 Prozent). Die steigende Arbeitslosigkeit mache ihm aber "keine schlaflosen Nächte", solange die Beschäftigung noch wie prognostiziert zulegt. Das AMS rechnet mit einem Beschäftigungsplus von 23.900 auf 3,345.800 unselbstständig Beschäftigte. Im Vergleich dazu: Heuer hat die Beschäftigung noch um fast 62.000 Personen zugelegt.

Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit stehen dem AMS für 2012 wie heuer rund 980 Mio. Euro für aktive Maßnahmen zur Verfügung, im Krisenjahr 2009 belief sich das Rekordbudget auf 1,22 Mrd. Euro. Sollten sich das wirtschaftliche Umfeld und die Bedingungen am Arbeitsmarkt aber weiter eintrüben, hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer kürzlich zusätzliche 24 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik ("Aktivierungsbeihilfe") angekündigt.

Trotz steigender Arbeitslosenzahlen werden von den Unternehmen jedoch dringend Fachkräfte gesucht, so Kopf. "Steigende Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel ist kein Widerspruch". Das AMS hat dafür über 5.200 Unternehmen ab 20 Mitarbeiter befragt. Ein Drittel oder 32 Prozent gaben an, Stellen nicht besetzen zu können. Nach Betriebsgröße zeigt sich, dass mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern Fachkräfte suchen. In Betrieben mit 10 bis 50 Beschäftigten haben nur 30 Prozent Bedarf.

Den größten Bedarf an Fachkräften hat der Bereich Datenverarbeitung. Hier suchen laut AMS-Umfrage 57 Prozent der Unternehmen Spezialisten, es folgen die Lebensmittelproduktion mit 44 Prozent, Maschinenbau, Metall, Elektro, Elektronik mit 43 Prozent und Bau/Holz mit 39 Prozent. Befragt man nur die Großbetriebe, so suchen 83 Prozent der Datenverarbeitungsunternehmen Fachpersonal, im Bereich Bau/Holz sind es 76 Prozent, in der Lebensmittelerzeugung 64 Prozent und im Bereich Maschinenbau 63 Prozent.

Mit punktgenauen Qualifizierungsmaßnahmen soll dem Facharbeitermangel entgegengewirkt werden. Das AMS hat gezielt Betriebe gefragt, was sie brauchen. Mit dem Qualifizierungsprogramm "New Skills", wofür für 2011/12 rund 21 Mio. Euro zur Verfügung stehen, sollen Fachkräfte auf den neuen Stand gebracht werden. Denn es gehe nicht darum, einfach Installateure auszubilden, sondern diese auf den neuesten Stand zu bringen.

Insgesamt wird die Zahl der Schulungen jedoch sinken. Von Jänner bis Oktober 2011 waren 63.499 Personen in einer Schulung. Diese Zahl wird laut AMS noch um weitere 3.000 zurückgehen. Grundsätzlich werde es zwar weniger, aber dafür höherwertige Qualifizierungsmaßnahmen geben.