Erstellt am 17. Juni 2013, 11:48

Überdurchschnittliche Getreideernte erwartet. Trotz Hochwassers und eines langen Winters erwarten die heimischen Getreidebauern heuer mit österreichweit 3 Mio. Tonnen (2012: 2,5 Mio.) eine überdurchschnittliche Getreideernte.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Nach der trockenheitsbedingten Minderernte 2012 erwarten die heimischen Bauern heuer trotz Hochwassers eine überdurchschnittliche Ernte. Laut ersten Schätzungen soll die Getreidemenge in Österreich um 23 Prozent auf 3,05 Mio. Tonnen steigen. Das Wetter in den Erntemonaten werde aber letztlich über Menge und Qualität entscheiden, betonte Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski am Montag vor Journalisten in Parndorf. Rund 80 Prozent des Getreideertrages seien vom Wetter abhängig.

Die heimischen Bauern können sich aber nur teilweise über die voraussichtlich gute Erntemenge freuen, weil eine prognostizierte Welt-Rekordernte für 2013 die Getreidepreise drückt. An der Pariser Warenterminbörse Euronext kostet derzeit eine Tonne Weizen rund 196 Euro. Der Höchststand im vergangenen Jahr lagen bei über 280 Euro. Wenn die weltweit erwartete Rekordernte heuer eingefahren werde, dann könnte der Preis noch auf 180 Euro oder darunter sinken, erwartete RWA-Getreidemanager Ernst Gauhs. Der Ernteausblick für Russland und Ukraine sei sehr gut, in den USA gebe es aber die niedrigsten Weizenlagerbestände seit 5 Jahren.

In Österreich soll heuer die Menge von Weichweizen (Brotweizen) im Vergleich zu 2012 um 32 Prozent auf 1,6 Mio. Tonnen steigen. Bei Wintergerste wird mit 465.000 Tonnen gerechnet (+13 Prozent), 310.000 Tonnen Sommergerste (+24 Prozent) und 245.000 Tonnen Gerste (+20 Prozent).

Die Auswirkungen des Hochwassers auf die Getreide-Erntemenge sind laut Landwirtschaftskammer jedoch gering. Die Wassermassen haben in Österreich eine landwirtschaftliche Nutzfläche von mehr als 22.000 Hektar, davon 14.000 Hektar Ackerland, 7.000 Hektar Grünland und 1.000 Hektar Gemüse- und Obstflächen, überflutet und nach Angaben der Hagelversicherung einen Schaden von rund 20 Mio. Euro verursacht.

Wegen des feuchten Wetters war heuer der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln laut Landwirtschaftskammer wichtiger als in Vergleichsjahren. Die heimische Agrarbranche ist in den vergangenen Monaten von den Grünen und Umweltschutzorganisationen für den Einsatz von Spritzmittel scharf kritisiert worden. Wlodkowski verteidigte den notwendigen Einsatz von Spritzmittel für "eine moderne Landwirtschaft", um so deutliche Ernteeinbußen durch Schädlings- oder Pilzbefall zu verhindern.

Die bei Untersuchungen in Österreich festgestellten Glyphosat-Rückstände lägen weit unter den Grenzwerten. Beim Thema Bienensterben verwies der Landwirtschaftskammer-Präsident auf die wesentlich größeren Probleme Varroamilbe und Faulbrut. Nur bei unsachgemäßer Verwendung der Neonicotinoiden könne etwas passieren und Bienen geschädigt werden.