Erstellt am 12. März 2013, 12:22

Ungarischer Forint beschleunigt Talfahrt. Nach dem Votum des Parlaments für eine umstrittene Verfassungsreform, die auf die Entmachtung des Verfassungsgerichts hinausläuft, hat die ungarische Landeswährung ihre Talfahrt am Dienstag fortgesetzt.

Für einen Euro mussten zeitweise 305,70 Forint bezahlt werden und damit so viel wie seit Juni 2012 nicht mehr. Auslöser für die Verkäufe waren auch Inflationsdaten. So waren die Verbraucherpreise im Februar amtlichen Angaben zufolge auf 2,8 Prozent im Jahresabstand gestiegen, fielen aber im Vergleich zur Jänner-Rate (3,7 Prozent). Es war dennoch die niedrigste Rate seit Juni 2006. Analysten hatten mit einem Anstieg von 3,1 Prozent gerechnet.

Zudem erklärte Ministerpräsident Viktor Orban, es sei entscheidend, dass die Zinsen auf einem niedrigeren Niveau seien. Nur so könnte für Unternehmen ein Kreditprogramm mit einer Verzinsung von unter acht bis zehn Prozent aufgelegt werden, erklärte Orban bei einem Business Forum.

Börsianer gehen davon aus, dass die Preisentwicklung weitere Zinssenkungen nach sich ziehen wird. Ungarn hat zuletzt Ende Februar die Zinsen um 25 Basispunkte auf das Rekordtief von 5,25 Prozent gesenkt. Analysten rechnen mit weiteren Zinssenkungen bis auf 4,5 Prozent. Die schwache Preisentwicklung hängt Analysten zufolge auch mit der schwachen konjunkturellen Entwicklung zusammen.

Zudem spielten seit dem Jahresbeginn staatlich verordnete Senkungen der Gas- und Strompreise eine Rolle. Für Unmut unter den Investoren sorgt aber vor allem das Vorgehen der Regierung, die immer mehr Macht an sich zieht. Erst am Wochenende waren zwei als unabhängig geltende Notenbanker quasi kaltgestellt worden. Die Analysten von HSBC Trinkaus erwarten, dass der Forint vorerst weiter unter Druck stehen wird.