Erstellt am 14. November 2011, 18:38

UniCredit verlor im Quartal über 10 Mrd. Euro. Die größte Bank Italiens - die Mailänder Bank Austria-Mutter UniCredit - hat am Montag triste Rekorde gemeldet. Darunter einen Verlust von 10,6 Mrd. Euro für das dritte Quartal 2011. Riesige Firmenwertabschreibungen auf Bankbeteiligungen ("Goodwill") stürzten den Konzern tief in die roten Zahlen.

Die Dividende ist gestrichen, der Kurs rasselte weiter. Dabei braucht die Bank viel Geld: Am 15. Dezember soll eine Sonderhauptversammlung eine Kapitalerhöhung von 7,5 Mrd. Euro billigen. Das Bankenkonsortium dafür steht schon. Das frische Kapital soll im ersten Quartal fließen. So sollen bis Juni 2012 die von der Europa-Bankenaufsicht verlangten neuen Kapitalvorgaben erfüllt werden.

Auch der Abbau von tausenden Jobs steht bevor. Von Teilen des Wertpapiergeschäfts verabschiedet sich der Konzern. Nach neun Monaten bis Ende September fiel bei UniCredit im Konzern wegen der neuen Konjunkturschwäche und der Staatsschuldenkrise kumuliert ein Verlust von 9,3 Mrd. Euro an. Auf Bankbeteiligungen ("Goodwill") wurden im Details 8,6 Mrd. Euro abgeschrieben. Insgesamt machen die Abschreiber 9,6 Mrd. Euro aus. UniCredit-Chef Federico Ghizzoni hat eine Redimensionierung vor allem in Italien und im Investmentbanking angekündigt. Da geht es um mehr als 5.000 Jobs, die gestrichen werden. UniCredit wolle auch weiterhin unter den europäischen Top-Banken in Europa bleiben.

"Das ist nicht einfach", so Ghizzoni, aber das sei die "Vision" und kein "Katastrophen-Szenario". Italien sei und bleibe ein Schlüsselmarkt für die Gruppe und werde sich innerhalb des Planzeiteraumes - also bis Ende 2015 - wieder erholen. Die Aktivitäten in Osteuropa und den europäischen Triple-A-Ländern wie Österreich und Deutschland würden fortgesetzt.

Das kommerzielle Bankgeschäft solle gestärkt werden, dazu sollen die Kapital- und Liquiditätspositionen besser werden. Auch in anderen Bereichen werden Mitarbeiter eingespart. Polen, Tschechien, Russland und die Türkei sollen mit Investitionen gefüttert werden. Bulgarien, Kroatien und Ungarn beispielsweise sind strategisch wichtig. Andere "kritische" Märkte werden restrukturiert. Der Konzernchef schloss einen Rückzug aus kritischen Gebieten nicht aus, nannte aber weiter keine Namen.

Derzeit beschäftigt der UniCredit-Konzern mehr als 160.000 Leute. In Österreich hat die Bank Austria die für morgen geplanten Quartalszahlen vorgezogen. In den von Wien aus gesteuerten Tochterbanken in Kasachstan und der Ukraine wurden Firmenwertabschreibungen über 650 Mio. Euro nötig. Weitre Abschreibungen gab es auch auf die russische CJSC UniCredit Securities (ehemals Aton Bank). Im Neunmonatsbericht 2011 weist die österreichische UniCredit-Tochterbank deshalb Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte von 705 Mio. Euro aus. Mit 304 Mio. Euro belasteten im zweiten und dritten Quartal Abschreibungen um 60 Prozent auf griechische Staatsanleihen das Neunmonatsergebnis. Macht zusammen eine Milliarde.

Auf "nur mehr" eine Milliarde Euro sind hingegen die Kreditwertberichtigungen bei der Bank Austria gefallen, ein Fünftel weniger als vor einem Jahr. Trotz der hohen Einmalbelastungen und Wertberichtigungen weist die Bank nach neun Monaten einen Mini-Gewinn von 4,5 Mio. Euro aus. Im dritten Quartal schrieb wegen der Abschreiber allerdings auch sie einen hohen Verlust von mehr als 600 Mio. Euro.

Die Bank Austria erklärte heute, mit 10,4 Prozent "harter" Kernkapitalquote keine Kapitalmaßnahmen nötig zu haben. Vorstandschef Willibald Cernko sprach von einer "grundsoliden" Bank, die auch keinerlei Hilfe vom Staat brauche. Die UniCredit-Aktie wurde unmittelbar vor der Bekanntgabe vom Mailänder Börsehandel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme schoss sie um 7 Prozent nach unten. Unterm Strich negativ lief es im 3. Quartal auch für die HVB.