Erstellt am 11. Mai 2011, 07:19

„Uns geht‘s ausgezeichnet“. BANK BURGENLAND / Negative Bilanzen und Skandale gehören seit dem Verkauf an die GraWe der Vergangenheit an. Vorstand Gerhard Nyul blickt optimistisch in die Zukunft.

Gerhard Nyul ist seit 2004 Vorstand der Bank Burgenland.  |  NOEN, DORIS SEEBACHER

VON DORIS SEEBACHER

BVZ: Wie geht es der Bank Burgenland momentan?

Gerhard Nyul: Ich würde sagen: ausgezeichnet. Die Bank Burgenland als Einzelinstitut hat 2010 einen Jahresgewinn von 11,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Die gesamte GraWe-Bankengruppe verfügt über eine Eigenmittelquote von 17 Prozent.

BVZ: Die GraWe (Grazer Wechselseitige) hat im März auf Antrag der EU-Kommission 41,5 Millionen Euro auf einem Treuhandkonto hinterlegt. Wie lange wird es hier noch dauern, bis es zu einer endgültigen Entscheidung der EU kommt?

Nyul: Diese Hinterlegung war Bedingung, um das Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik einmal ruhend zu stellen. Nun warten wir das Gerichtsverfahren beim Europäischen Gerichtshof ab. Wir gehen davon aus, dass sich das über mehrere Jahre hinweg ziehen wird.

BVZ: Wie beurteilen Sie jetzt die Entscheidung, die Bank nicht an das ukrainische Konsortium verkauft zu haben?

Nyul: Die grundsätzliche Überlegung beim Verkauf der Bank war es damals, an den Bestbieter, und nicht an den Höchstbieter zu verkaufen – um hundertprozentig sicherstellen zu können, dass die Haftungen des Landes nicht schlagend werden. Wir glauben, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise eindeutig bestätigt hat, dass diese Entscheidung die richtige gewesen ist.

BVZ: Die Bank Burgenland hat kürzlich die Aufforderung erhalten, eine Dividende in Höhen von 26,6 Millionen Euro zurückzuzahlen. Die GraWe weigert sich aber und die Frist ist mit 7. April bereits abgelaufen. Wie wird es weitergehen?

Nyul: Bis dato wurde noch keine Klage seitens der Republik eingebracht. Wir gehen davon aus, dass dieser Fall im Rahmen eines normalen Rechtstreites bei den österreichischen Gerichten geklärt wird.

BVZ: Trotzdem bekommen Ihre Kunden laufend zu hören, was an Zahlungen zu leisten sein könnte. Wirft das nicht doch ein schlechtes Licht auf die Bank?

Nyul: Nein, im Gegenteil – wir haben einen sehr starken Zuspruch, was Neukunden betrifft. Unsere Kunden beschäftigen sich mit solchen Negativmeldungen nur mehr am Rande. Der Gewinn, den wir im heurigen Jahr ausweisen, bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

BVZ: Sie sind jetzt seit 2004 Vorstand der Bank Burgenland und seither auch ständig in den Medien. Zermürbt das nicht irgendwann?

Nyul: Wenn man eine tolle Bilanz präsentieren kann, ist man sehr gerne in den Medien. Es hat aber auch Zeiten gegeben, wo die Kommunikation mit den Medien ein bisschen schwieriger war. Mein Vertrag läuft noch bis 2014. Dann wird es am Eigentümer liegen, ob er wieder verlängert wird.