Erstellt am 16. Dezember 2010, 11:58

Unternehmen bei Bilanzlegung säumig. Österreichs Unternehmen nehmen es mit der Bilanzlegungspflicht nach wie vor nicht sehr genau, haben sich aber gegenüber dem Vorjahr gebessert.

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Fast jede zweite Firma oder fast 45 Prozent haben ihre Bilanz beim Firmenbuch 2010 (Stichtag 30.09.2010) verspätet oder gar nicht hinterlegt. Im Jahr 2009 kamen sogar 55 Prozent der Unternehmen ihrer Pflicht nicht nach, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV1870) hervor.

   Von den 45 Prozent der Firmen, die die Öffentlichkeit nicht in ihre Bilanzen schauen lassen, hinterlegten 10 Prozent gar nicht, 35 Prozent stellten lediglich veraltete Bilanzdaten (2008 oder älter) zur Verfügung. Fortgesetzt hat sich auch der Trend, wonach bonitätsschwache Unternehmen seltener ihre Bilanzen hinterlegen als bonitätsstarke. Mehr als 31 Prozent der "Nicht-Hinterleger" haben ein KSV-Rating von 400 oder darüber und damit ein erhöhtes Insolvenzrisiko. In dieser Gruppe verzeichnete der KSV1870 im Jahresvergleich ein trauriges Plus von 3 Prozent.

   Im Bundesländervergleich gibt es die meisten Bilanz-Sünder in Kärnten mit einem Anteil von 66 Prozent. Allerdings weisen im südlichsten Bundesland lediglich 24 Prozent der Nicht-Hinterleger ein erhöhtes Insolvenzrisiko (KSV-Rating 400 und darüber) auf. Das ist der geringste Wert aller Bundesländer. Die korrektesten Hinterleger sind in Oberösterreich beheimatet, wo nur 27 Prozent ihrer Hinterlegungspflicht nicht pünktlich nachkommen. Es folgen Tirol (31 Prozent), Salzburg (39 Prozent), Niederösterreich (45 Prozent), Burgenland (46 Prozent), Steiermark (49 Prozent) und Wien (52 Prozent).

   Von den bis zum Stichtag 2.663 eröffneten Insolvenzverfahren in Österreich waren 1.146 veröffentlichungspflichtige Unternehmen betroffen. Davon hatten 989 Unternehmen nicht oder verspätet (rund 80 Prozent) ihre Bilanzen beim Firmenbuch hinterlegt. Dies sei keine Überraschung, so KSV-Geschäftsführer Johannes Nejedlik. Denn zu den Hauptursachen für Insolvenzen zählen schlechtes Management und mangelnde buchhalterischer Sorgfalt. Dass Unternehmen, die keiner geordneten Betriebs- und Rechnungsprüfung unterliegen, ein erhöhtes Ausfallrisiko haben, sei eine Tatsache.

   Als Gründe für die Nicht-Hinterlegung nennt der KSV unter anderem "Verweigerung aus Tradition", "restriktive Haltung bei Informationseitergaben" und Kapazitätsengpässe bei den Gerichten.