Erstellt am 17. September 2014, 07:03

Unternehmer Blaguss gibt Gas!. Paul Blaguss leitet in dritter Generation das Familienunternehmen, das mittlerweile 800 Mitarbeiter beschäftigt.

Die nächste Generation ist schon an Board: Firmenchef Paul Blaguss mit seinem Junior, der einige Busse ziert.  |  NOEN, Bettina Eder
„Jetzt haben wir 25 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs, aber es gibt noch einige Bereiche, die an der Staatsgrenze aufhören. Das Burgenland wird in der Zukunft davon profitieren, dass wir ein Wirtschaftsraum mit Sopron, Bratislava und Szombathely sind. Das ist unser Wirtschaftsraum, den müssen wir verbinden und leben“, so Paul Blaguss, Chef des gleichnamigen Traditionsunternehmens zu den Herausforderungen in seiner Heimat.

„Die beste Flotte und die beste Mannschaft“

Er steht gemeinsam mit seinem Cousin Thomas an der Spitze des Familienunternehmens (siehe unten). Der 85 Jahre alte Betrieb hat rund 800 Mitarbeiter und mehrere Standorte in Österreich und dem Ausland ausgebaut. Unglaubliche 45 Millionen Kilometer spulen seine Busse pro Jahr ab. Ein Viertel der Flotte wird jedes Jahr ausgetauscht.

„Blaguss ist ein extrem dynamisches Unternehmen mit einer langen Tradition, die uns aber auch hilft, diese Dynamik zu leben“, so Blaguss. Sein Rezept: „Man kann alles analysieren, aber man muss auch auf seinen Hausverstand und sein Baugefühl hören.“ Damit ist das burgenländische Unternehmen in punkto Reisebus die Nummer eins in Zentraleuropa geworden: „Wir haben die beste Flotte und die beste Mannschaft.“

Politik steckt zu viel in „wahnwitzige Bauprojekte“

Damit würde man nicht gegen die Bahn, sondern gegen den PKW antreten: „Unser Gegner ist eindeutig der PKW“, so Blaguss. „Mit den heutigen Spritpreisen fährt ja sowieso keiner gern mit dem Auto. Und schneller als mit dem Bus ist man auch nicht. Wenn du zur Arbeit alle Viertelstunde einen Bus hast – mit WLAN und Steckdosen, wo du dein Handy oder Ipad aufladen kannst – dann wünscht sich das doch jeder“, so Blaguss zu den Möglichkeiten im Burgenländischen Pendlerverkehr.

Im Fernverkehr sei man schon im Bus mit einer Qualität unterwegs, „die man sich vor zehn Jahren noch nicht vorstellen konnte – etwa mit WLAN und Getränkeservice“. Die Strecke Prag gibt’s mit diesem Service um 22 Euro, und „„da sind wir um 45 Minuten schneller als die Bahn, da sind wir bei Preis- und Zeitfaktor unschlagbar.“

Zu viel Geld werde von der Politik in „Nebenfahrbahnen und wahnwitzige Bauprojekte“ gesteckt. Sein radikaler Ansatz: „Die Bahn soll sich um den Verkehr in Ballungszentren, die Verbindung der Ballungszentren und Güterverkehr-Cluster kümmern.“ Alles andere soll der Bus machen. Blaguss dazu: „Aus dem Südburgenland gibt’s alle eineinhalb Stunden einen Bus nach Wien, das ist mit der Bahn nicht finanzierbar. Hier ist man auf dem richtigen Weg.“

ZITIERT:

„Fernbusse sind eine höchst interessante Alternative im Personenfernverkehr und werden helfen, die Verkehrsprobleme der Zukunft zu lösen“, so Paul Blaguss.

„Warum man die Koralpe unbedingt durchlöchern muss und für den Tunnel zehn Milliarden ausgibt - dafür, dass dies nur wenige Menschen nutzen werden und der Güterverkehr daran vorbeifährt, das verstehe ich nicht.“
Paul Blaguss zur Verkehrspolitik

„Als Sohn steht man natürlich vermehrt unter Beobachtung. Du trittst in große Fußstapfen und viele erwarten, dass du es nicht schaffst“
derselbe


Geschichte des Unternehmens:

Vor 85 Jahren gründete Paul Blaguss in Unterpullendorf das Busunternehmen. Im Mai 1970 wird die „Blaguss Reisen Gesellschaft m.b.H.“ gegründet, in der Paul Blaguss und seine Kinder Gesellschafter sind.

Robert Blaguss tritt in das Unternehmen ein. Gemeinsam mit seinem Bruder übernimmt er die Geschäftsführung. Die Söhne der beiden, Thomas und Paul Blaguss, steigen Anfang des neuen Jahrtausends ins Unternehmen ein.

Im März 2001 beginnt Paul Blaguss seine Tätigkeit im Unternehmen und erweitert das Führungsteam. Heute hat das Unternehmen rund 800 Mitarbeitern und mehrere Tochtergesellschaften an mehreren Standorten in Österreich, der Slowakei und Ungarn.