Erstellt am 20. November 2014, 13:45

86 Prozent der Fußgänger "unsichtbar". "Sehen und gesehen werden" im Herbst und Winter besonders wichtig.

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Der ÖAMTC hat im Oktober eine Erhebung zur Sichtbarkeit im Straßenverkehr durchgeführt. Die Ergebnisse waren vor allem in Bezug auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer besorgniserregend. "Von den beobachteten Fußgängern waren 86 Prozent dunkel angezogen. Nur 14 Prozent setzten auf besser sichtbare, hellere Kleidung oder verwendeten reflektierendes Material, um sich sichtbar zu machen", fasst ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger zusammen. Von den Radfahrern waren im Beobachtungszeitraum nur rund 53 Prozent mit eingeschaltetem Licht unterwegs, 40 Prozent verzichteten auf das Einschalten der Lampe. Bei rund sieben Prozent wurde außerdem festgestellt, dass zumindest ein Licht am Fahrrad defekt war.
 
Die motorisierten Verkehrsteilnehmer waren in punkto Sichtbarkeit gut unterwegs: 96 Prozent der Pkw, 97 Prozent der Busse und Lkw und 95 Prozent der Motorradfahrer fuhren mit eingeschalteten und funktionierenden Lichtern. Nur bei rund drei Prozent wurde ein Lichtdefekt festgestellt – ein sehr positives Ergebnis. "Für Fahrzeuglenker ist wichtig, dass die Beleuchtung regelmäßig kontrolliert wird", so die ÖAMTC-Expertin. "Defekte Lampen sollten so schnell wie möglich getauscht werden, auch die korrekte Lichteinstellung sollte gelegentlich überprüft werden."
 
Österreichweit wurden im Rahmen der ÖAMTC-Sichtbarkeitserhebung 9.327 Radfahrer, Fußgänger, Motorradlenker, Pkw, Lkw und Busse in den Morgen- und Abendstunden beobachtet.

ÖAMTC-Sicherheitstipps für Herbst und Winter

  • Verkehrsteilnehmer sollten generell nicht davon ausgehen, dass sie von anderen automatisch wahrgenommen werden – unabhängig davon, wie gut sichtbar sie sich selbst fühlen.

  • Fahrzeuglenker sollten insbesondere nach Einbruch der Dämmerung im Bereich von Schulen, Einkaufszentren oder Märkten mit erhöhter Aufmerksamkeit fahren.

  • Fußgänger sollten Kleidung tragen, die auch bei Dunkelheit gut sichtbar ist. "Reflektierende Materialien an Taschen, Schuhen und Kleidung bringen zusätzliche Sicherheit. Vor allem Kinder sollten damit ausgestattet sein", rät die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

  • Wenn Fußgänger oder Radfahrer eine Straße queren, sollte das insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit nur an gesicherten Stellen geschehen. Ampelanlagen, Schutzwege, Über- und Unterführungen bieten zumindest ein Mindestmaß an Sicherheit. "Keinesfalls darf die Straße überraschend zwischen parkenden Autos heraus betreten werden", so die ÖAMTC-Expertin.

  • "Toter Winkel" beim Abbiegen und Rückwärtsfahren: Durch den "toten Winkel" werden dunkel gekleidete Fußgänger oder schlecht bzw. gar nicht beleuchtete Radler beim Abbiegen und Rückwärtsfahren besonders leicht übersehen. "Hier sind alle Verkehrsteilnehmer gefordert, sich möglichst gut sichtbar zu machen, mitzudenken und besonders genau zu schauen", so Seidenberger abschließend.

ÖAMTC-Initiative für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

"Im Winter sind die Tage kurz, oft kommt es zu Sichtbehinderungen durch Nebel oder Schneefall. Dementsprechend wichtig ist eine vernünftige Eigen- und Fremdbeleuchtung", hält die ÖAMTC-Expertin fest. Der Club hat daher die Initiative "Sehen und gesehen werden" ins Leben gerufen. "Sehen" bedeutet, dass man als Lenker möglichst früh Fußgänger, Radfahrer, andere Autos, Lkw oder Busse auf und an der Fahrbahn erkennen kann.

Umgekehrt bedeutet es auch, dass man als Fußgänger oder Radler andere Verkehrsteilnehmer vorzeitig in der Annäherung wahrnimmt. "Gesehen werden" heißt, sich selbst als Verkehrsteilnehmer so sichtbar wie möglich zu machen. Möglichst helle Kleidung, vor allem aber Reflektoren können dabei helfen." Alle Infos zur Initiative findet man auf der eigens eingerichteten Homepage www.gesehenwerden.at .

Im Rahmen der Initiative "Sehen und gesehen werden" werden am Samstag, 22. November 2014, bei 60 Interspar-Märkten in ganz Österreich reflektierende Einkaufstaschen und Info-Broschüren kostenlos verteilt. Die Verteilung erfolgt von 15 bis 18 Uhr im Kassenbereich der Märkte (solange der Vorrat reicht).