Erstellt am 21. Dezember 2011, 00:00

viel Verputz abtragen“. die schwierige Beziehung zum Land und den Wandel des „verstaubten“ Unternehmens.

 |  NOEN

VON MARKUS STEFANITSCH

BVZ: Ex-Finanzminister Hannes Androsch hat einmal gesagt, dass er nur noch tätig ist, denn arbeiten tun nur Menschen, die das Geld noch brauchen. Wie sehen Sie Ihren Berufsalltag?

Stefan Ottrubay: Es sollte immer eine Mischung sein. Ich arbeite sehr intensiv. Es sollte aber Freude machen und natürlich letztendlich auch Erträge bringen.

 

BVZ: Wie würden Sie den Wandel der Esterházy-Gruppe beschreiben? Vom verstaubten Adels-Imperium zum innovativen, modernen Unternehmen?

Ottrubay: Der Wandel hat schon einige Jahre gedauert. Wir haben in der großen Organisation viel gebohrt und gesucht, wie wir uns verbessern können. Das 20. Jahrhundert hat sozusagen sehr viel Verputz und Schmutz auf die Substanz gelegt. Hier musste jede Schicht sorgfältig abgetragen werden. Esterházy war vor zehn, 15 Jahren eine geheimnisvolle Institution, die eher abwehrend reagiert hat. Auch wir haben Jahre gebraucht, um uns zu öffnen. Wir haben innerhalb von acht Jahren die Mitarbeiterzahl von 145 auf fast 300 gesteigert und die Ertragskraft des Unternehmens ziemlich genau verdoppelt.

 

BVZ: Sie haben aber auch ein wenig das Image, dass Führungskräfte bei Esterházy nur wenig Schonzeit bekommen …

Otrrubay: Dort, wo ein Bereich langfristig unterwegs ist, da gibt es sehr wenig Wechsel. Dort, wo wir große Sprünge machen, da fehlt uns hausintern noch das Know-how. Es gibt eine sechsmonatige Probezeit – das ist ein Teil der Vereinbarung – und wenn es nicht geht, dann trennt man sich. Unser Unternehmen, mit seinen fünf Bereichen, ist ein komplexes Ding. Mir ist in Österreich kein komplexeres Unternehmen bekannt.

 

BVZ: Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Leistungen im Land entsprechend gewürdigt werden?

Ottrubay: Ich bin mir bewusst, dass wir in verschiedenen Bereichen wirklich eine zentrale Aufgabe spielen müssen und dürfen. Und wir machen das, weil es Stiftungsauftrag ist und weil ich es als Notwendigkeit sehe, für das Unternehmen, aber auch für die Region. Es genügt nicht, alle 15 Jahre eine Landesausstellung zu machen. Man muss nachhaltig und permanent unterwegs sein. Deshalb haben wir begonnen, speziell im Nordburgenland und in Eisenstadt eine breite Planung weiterzuentwickeln. Eisenstadt selbst hat das Potential zu einem kleinen Juwel, das auf europäischem Niveau glänzen kann.

 

BVZ: Würden Sie die Situation zwischen Land und Esterházy als Ehekrise bezeichnen?

Ottrubay: Das mag vielleicht von weitem betrachtet so aussehen. De facto arbeiten wir mit vielen Landesstellen und Organisationen – mit den Bezirkshauptmannschaften – sehr gut zusammen. Diese schnelle Wandlung von Esterházy hat auf Landesebene natürlich zu gewissen Irritationen geführt. Dazu kommt, dass das Schloss das Wahrzeichen des Burgenlandes ist. Die Kosten für die Gesamtsanierung liegen zwischen 40 und 60 Millionen Euro. Wir warten darauf, in welcher Form sich wieder Kooperationen – sowohl mit dem Land als auch mit dem Bund – ergeben werden. Wir sind aber auch dabei, über die Grenzen zu schauen. Ich bin mir sicher, dass der Wert des Gebäudes so hoch ist, dass man eigentlich mit jedem sprechen kann. Zugleich war es aus meiner Sicht aber eine kluge Entscheidung, das Kulturzentrum neu zu bauen.

 

BVZ: Stichwort St. Margarethen: Wer wird langfristig das Gesicht der Opernfestspiele sein?

Ottrubay: Da haben wir überhaupt noch nichts entschieden. In den nächsten zwei Jahren ist es wieder Wolfgang Werner. Wir haben Zeit zu überlegen, wie es 2014 weitergeht. Wir sind mit ihm im Gespräch, haben aber auch andere Optionen.

 

BVZ: Wie sehen Sie die wirtschaftliche Lage im Land?

Ottrubay: Wir sind ein Teil Gesamtösterreichs, des Wiener Raumes und von Centrope. Da muss man sich positionieren. Auch bei öffentlichen Einrichtungen muss man in diesen Kategorien denken – etwa bei der Krankenhauspolitik. Das geht nicht an, dass ein kleiner Ort um jeden Preis ein Krankenhaus haben will und nach 15 Kilometern kommt das nächste, nur weil zufällig eine Landesgrenze dazwischen ist. Das konnte man sich vor zehn Jahren leisten, als die EU-Gelder geflossen sind. Staat und Politik sind nicht geschaffen, um Unternehmer zu sein. Im Burgenland hat man noch vor einiger Zeit auf die Textilindustrie gesetzt, die ist nicht mehr vorhanden. Dann wollte man auch auf sogenanntes High-Tech setzen, deshalb haben wir die Technologiezentren. Heute sind das nur große Bürogebäude.

BVZ: Wie geht es Fürstin Melinda Esterházy?

Ottrubay: Sie ist in einem hohen Alter, mit ihren 92 Jahren, und es geht ihr gut. Sie lebt behütet, unmittelbar in der Nähe ihrer Familie. Ich habe auch immer wieder Kontakt mit ihr.

 

BVZ: Wie lauten abschließend Ihre drei Wünsche an das Christkind?

Ottrubay: Ich wünsche mir eine ruhige, erholsame Weihnachtszeit, positive Arbeitsstimmung bei uns im Unternehmen, und dass die europäische Finanzkrise im nächsten Jahr nicht zu ei- nem Zusammenbruch führt.