Erstellt am 01. März 2013, 09:18

Voest und ThyssenKrupp im Visier des Kartellamts. Das deutsche Kartellamt hat den oberösterreichischen Stahlkonzern Voestalpine im Verdacht, an illegalen Absprachen über Stahllieferungen an die deutsche Autoindustrie beteiligt gewesen zu sein.

Beamte des Bundeskartellamts durchsuchten laut Unternehmenssprecher Peter Felsbach die Geschäftsräume der Voestalpine Deutschland GmbH mit Sitz in München.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Geschäftsräume des deutschen Stahlriesen ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg ebenfalls von den Kartellwächtern unter die Lupe genommen wurden. Auch Branchenführer ArcelorMittal geriet ins Visier der Wettbewerbshüter und kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren.

"Laut Durchsuchungsbeschluss geht es um den Vorwurf von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen zwischen Marktteilnehmern im Bereich bestimmter Stahllieferungen für die Automobilindustrie in Deutschland", teilte ThyssenKrupp mit. Nähere Details wollte der Konzern wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Dem Kartellamt zufolge geht es um den Verdacht illegaler Absprachen für den Vertrieb von Bandstahl. An den Durchsuchungen hätten sich 19 Mitarbeiter der Behörde sowie Polizisten beteiligt.

Kartellverstöße würden in keiner Weise geduldet, erklärte ThyssenKrupp. "Bei ThyssenKrupp gilt das Prinzip 'Null Toleranz'. Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen", kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger an. ThyssenKrupp unterstütze die Behörden bei den Ermittlungen.

Hiesinger sagte gestern, Donnerstag, Abend vor der wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf, er könne nicht viel zu dem Fall sagen, da das Unternehmen erst kurzfristig informiert worden sei. "Wir wissen nicht, welche Unternehmen noch durchsucht worden sind". Das Kartellamt sei nach eigener Aussage aufgrund einer anonymen Anzeige tätig geworden. Es solle sich um Preisabsprachen über mehrere Jahre handeln.

Für die Konzerne kommen die Ermittlungen zur Unzeit. ThyssenKrupp hatte das vergangene Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Nettoverlust von 5 Mrd. Euro abgeschlossen. Nach Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen hatte Hiesinger eine neue Unternehmenskultur angekündigt.