Erstellt am 13. Januar 2012, 11:46

Warmer Winter - Winzer sind nicht nervös. Für die burgenländischen Winzer hält die kühle Jahreszeit immer wieder Herausforderungen parat: Entweder ist es wie im vorigen Winter viel zu kalt oder wie im heurigen Winter viel zu warm.

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Nervös sind die Weinbauern im Hinblick auf den Jahrgang 2012 zwar nicht, erklärte Wein Burgenland-Geschäftsführer Christian Zechmeister im Gespräch mit der APA. Ein Spätfrost könnte jedoch eine Katastrophe bedeuten.

Im Burgenland sind die Temperaturen gestern, Donnerstag, in den zweistelligen Bereich geklettert. Ein, zwei derart warme Tage seien "kein Problem", so Zechmeister. "Aber jetzt eine noch wärmere Periode und dann Frost wäre für die Weingärten eine Katastrophe." Denn, steigen die Temperaturen und bleiben stetig im zweistelligen Bereich, "beginnt die Rebe wach zu werden und fängt an, sich zu entwickeln. Die Schutzfunktionen gegen Frost werden also etwas aufgelockert. Käme dann ein Frost, würde das extreme Schäden bedeuten", erläuterte der Wein-Experte. Das sei dann zwar sortenabhängig, "aber wäre schon deutlich im zweistelligen Prozentbereich, flächendeckend übers Burgenland."

Wünschenswert wäre deshalb, dass die Temperaturen nun runtergehen und auch endlich Schnee fällt, da die weiße Pracht ein "gewisser Frostschutz" ist. Ideal, im Hinblick auf die noch ausstehende Eisweinernte, wären laut Zechmeister sieben bis neun Grad unter Null. Denn in den Weingärten hängen noch Trauben, die zu edlen Tropfen verarbeitet werden sollen.

"Beim Eiswein ist es so, dass man sagt, der kälteste Tag des Monats ist immer zum Neumond. Wir hätten spekuliert, dass es im Dezember möglich ist. Am 8. Dezember war Neumond, da war es aber richtig warm. Das heißt: Einen Monat warten. Nächste Woche ist der nächste Neumond, also hoffen wir darauf", sagte der Wein Burgenland-Geschäftsführer.

Jahrgänge ohne Eisweinproduktion hat es in den vergangenen zehn Jahren nicht gegeben. "Davor war das sicher einmal der Fall, aber diese Jahre liegen schon sehr lange zurück", so Zechmeister. Prozentuell bewegt sich die Süßweinproduktion zwischen zwei und fünf Prozent - abhängig von Jahrgang. 2010 habe es beispielsweise relativ wenig gegeben, die beiden Jahre zuvor und auch 2003 gab es mengenmäßig hingegen relativ viel.

Süßweine verkaufen sich sowohl in Österreich als auch auf den Exportmärkten, etwa Großbritannien, Deutschland und im asiatischen Raum, sehr leicht. "Man bekommt einen sehr guten Preis dafür. Die Süßweine sind sozusagen die Speerspitze im Burgenland", sagte Zechmeister.

Nicht nur auf Süßweine haben es seit ein paar Jahren besonders Gäste aus der Slowakei abgesehen. Sowohl Vinotheken, als auch Weinbauern mit Ab-Hof-Verkauf, freuen sich besonders im Nordburgenland über zahlende Kundschaft aus dem Nachbarstaat. "Vor vier Jahren war die Slowakei beim Exportmarkt mengenmäßig an 17. Stelle, letztes Jahr an fünfter. Die Erhebung gilt zwar österreichweit, man muss allerdings ganz klar sagen, dass der Großteil davon das Burgenland ausmacht. Zahlen vom Ab-Hof-Verkauf sind hier jedoch noch gar nicht miteinbezogen", erläuterte Zechmeister.

Im Dezember 2010 hatten die burgenländischen Winzer besonders im Seewinkel und marginal auch im Mittelburgenland mit dem frühen Frost zu kämpfen, die Temperaturen lagen mancherorts bei mehr als 20 Grad unter Null. Die Ernte 2011 ist dennoch mengen- und qualitätsmäßig gut ausgefallen, so der Geschäftsführer.