Erstellt am 05. Dezember 2012, 12:05

Wehrpflicht-Initiative sorgt sich um Wirtschaft. Die Initiative "Einsatz für Österreich" sorgt sich um die Wirtschaft, sollte sich ein Berufsheer-Modell durchsetzen.

Jährlich zwei bis drei Fusionen von Raiffeisenbanken in NÖ erwartet Erwin Hameseder.MARSCHIK  |  NOEN
Erwin Hameseder, Vorstandschef der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, befürchtet, dass durch die Schließung von Kasernen Zulieferer in ihrer Existenz bedroht sein könnten und der Privatwirtschaft Fachkräfte abhandenkommen. Zudem präsentierte die Initiative in einer Pressekonferenz am Mittwoch eine von ihr in Auftrag gegebene Studie, wonach ein Berufsheer dem Staat bis zu 219 Mio. Euro Mehrkosten verursachen könnte.

"Wir wollen keine Experimente, sondern eine gesicherte Entscheidung herbeiführen", begründete der ehemalige IV-Präsident Veit Sorger sein Engagement für die Wehrpflicht. Da es bei der anstehenden Volksbefragung um eine "gesellschaftspolitische Grundsatzentscheidung" gehe, habe man den Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider beauftragt, die Kosten bei Abschaffung der Wehrpflicht zu errechnen. Das Resümee: Aufgrund deutlich höherer Löhne für die sogenannten Profis ist auch mit einer teureren Armee zu rechnen.

Schneiders Rechnung: Beim Entfall der Wehrpflicht müssten 11.000 Grundwehrdiener ersetzt werden. Gehe man von einem Monatsgehalt von 2.700 Euro brutto aus, würde dies Kosten von 321 Mio. Euro pro Jahr verursachen. Prämien für die Miliz würden noch einmal 100 Mio. Euro verursachen, der Kostenersatz für Zivildiener 203 Mio. Euro. Noch einmal 75 Mio. Euro würde das Fehlen von Experten in der Privatwirtschaft ausmachen.

Diesen Mehrkosten stellt Schneider jenes zusätzliche Wirtschaftswachstum gegenüber, mit dem - aufgrund freiwerdender Arbeitskräfte - bei Einführung eines Berufsheeres zu rechnen wäre: Dies wären laut Studie bei 0,25 Prozent an die 480 Mio., bei positiv geschätzten 0,35 Prozent 670 Mio. Euro. Schneiders Resümee: Die Abschaffung der Wehrpflicht würde auf jeden Fall Mehrkosten verursachen - und zwar von 29 bis zu 219 Mio. Euro.

Hameseder macht sich zudem Sorgen um Betriebe in unmittelbarer Nähe zu Heereseinrichtungen. Er rechnet mit einer Schließung von 35 bis 40 Prozent der Kasernen bei Abschaffung der Wehrpflicht. Betroffen wären vor allem Zulieferer von Verpflegung und sanitären Produkten. Und auch die "Konsumausgaben" der Wehrpflichtigen würden in den betroffenen Gebieten zurückgehen.