Erstellt am 12. Januar 2012, 13:32

Weniger Firmeninsolvenzen, mehr Privatpersonen pleite. Trotz eines hohen Wirtschaftswachstums von 3,2 Prozent im Jahr 2011, ist die Anzahl der insolventen Privatpersonen in Österreich um 5,5 Prozent auf 10.800 gestiegen.

Die Unternehmensinsolvenzen sind hingegen auf den niedrigsten Stand seit 2003 gesunken, nämlich um 7,0 Prozent auf 6.194 Verfahren, geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Insolvenzstatistik der Creditreform hervor. Als Hauptursache orten die Kreditschützer vor allem Managementfehler bei Firmen und den "falschen Umgang mit Geld" bei Privatpersonen. Gut ein Drittel der Privatinsolvenzen ist demnach auf gescheiterte Selbstständige zurückzuführen.

In Österreich sind nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 150.000 und 300.000 Personen insolvent. "Somit ist - ungeachtet der kommenden Sparpakete - mit einem weiteren Anstieg der Privatinsolvenzen auch 2012 zu rechnen", so die Kreditschützer.

Die Anzahl an eröffneten Verfahren  bei Firmeninsolvenzen ist 2011 im Vergleich zum Jahr davor um 6,6 Prozent auf 3.289 Unternehmen zurückgegangen. In 2.905 Fällen (-7,4 Prozent) wurden die Insolvenzanträge mangels ausreichendem Vermögens abgewiesen. Die seit eineinhalb Jahren geltende neue Insolvenzordnung zeige positive Auswirkungen: "Es bietet den krisenbehafteten Unternehmen ein geeignetes Instrument rechtzeitig im Rahmen des Sanierungsverfahrens den Turn-around zu schaffen", betonte Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform.

"Trotz oder gerade wegen der (Staats-)Schuldenkrise findet eine Entstigmatisierung der Insolvenz statt", so Rainer. Wer unverschuldet in eine Notlage geraten ist, solle eine zweite Chance erhalten. "Substantiell gut aufgestellte Unternehmen sollen gerettet werden können", betonte der Creditreform-Geschäftsführer. Fast jedes fünfte Firmeninsolvenzverfahren ist laut den Kreditschützern bereits ein Sanierungsverfahren.

Am stärksten sind die Firmeninsolvenzen 2011 in Vorarlberg (-29,4 Prozent), im Burgenland (-16,3 Prozent) und in Salzburg (-13,6 Prozent) zurückgegangen. Nur in Niederösterreich (+3,8 Prozent) und der Steiermark (+0,9 Prozent) wurde ein Anstieg verzeichnet. In Wien wurden mit 23 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen die höchste Zahl registriert, österreichweit waren es im Schnitt nur rund 17 Insolvenzen.

Die Branchen mit der höchsten Insolvenzgefährdung sind das Bauwesen und die "Verkehr- und Nachrichtenübermittlung" mit jeweils über 34 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen. Rund zwei Drittel der heimischen Firmen waren 2011 laut Creditreform von zumindest einer Insolvenz als Gläubiger betroffen. Insgesamt betrugen die Verbindlichkeiten der Schuldner rund 2,5 Mrd. Euro.

Bei den Privatinsolvenzen ist im Vorjahr die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren um 6,4 Prozent auf 9.582 Verfahren gestiegen. Wegen mangelndem Vermögen sind 1.279 Insolvenzanträge (-1 Prozent) abgewiesen worden. Am stärksten sind die Privatinsolvenzen in Niederösterreich (+18,0 Prozent), in Kärnten (+8,1 Prozent) und in Vorarlberg (+7,9 Prozent) gestiegen. Rückläufig waren sie in Tirol (-5,3 Prozent), im Burgenland (-5,1 Prozent) und in Salzburg (-1,6 Prozent). Mehr als ein Drittel aller Privatinsolvenzen wurden in Wien verzeichnet: Mit 4.103 Insolvenzen (+5,4 Prozent) sind die Wiener laut Creditreform auch fast doppelt so häufig von Insolvenzen betroffen, als es dem österreichweiten Schnitt entspricht.