Erstellt am 19. Dezember 2011, 13:41

Weniger Insolvenzen, aber mehr Opfer. 2011 sind die Insolvenzen im Burgenland laut Statistik der Arbeiterkammer (AK) von 190 (im Jahr 2010) um 7,9 Prozent auf 175 zurückgegangen.

"Doch ist die Anzahl der Insolvenzopfer im Burgenland deutlich gestiegen", zog der Leiter der AK-Wirtschaftsabteilung, Rainer Porics, am Montag bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt Bilanz: Insgesamt wurden nach Insolvenzen 1.156 Anträge eingebracht, eine Zunahme von mehr als zwölf Prozent.

"Insgesamt hat die Arbeiterkammer Burgenland heuer bereits 6,4 Mio. Euro an ausstehenden Entgelten eingefordert. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 3,3 Prozent", erläuterte Porics. Die Berechnungen offener Ansprüche von Arbeitnehmern nach einer Firmenpleite seien sehr komplex: "Dennoch ist es erfreulich, dass rund 98 Prozent aller Forderungen, die von der AK Burgenland beim Insolvenzentgeltsicherungsfonds angemeldet werden, auch tatsächlich ausbezahlt werden."

Für die von einer Pleite betroffenen Beschäftigten sei es wichtig, dass sie ihr Geld rasch bekämen. Man sei "sehr stolz" darauf, dass die durchschnittliche Zeit zwischen Insolvenz und Erstauszahlung der Gelder an die Betroffenen nur mehr 1,2 Monate betrage, erklärte Porics. Die von der AK für die Betroffenen herausgeholte Summe an nicht bezahltem Entgelt von 6,4 Mio. Euro entspreche mehr als 4.000 durchschnittlichen burgenländischen Nettomonatseinkommen.

Hauptsächlich von Insolvenzen betroffen seien Baufirmen, gefolgt von Produktionsfirmen und Betrieben im Gastronomie- und allgemein im Tourismusbereich, so der Präsident der AK Burgenland, Alfred Schreiner. Die nach der Anzahl der Mitarbeiter größte Insolvenz 2011 betraf Thurner Beugl in Steinberg-Dörfl. "Es ist dort gelungen, einen Nachfolgebetrieb zu machen, der mit fast der gesamten Mannschaft weiterfährt", so Schreiner.

Dahinter folgte der Photovoltaik-Zellproduzent Blue Chip Energy GmbH in Güssing mit 109 Beschäftigten. Hier gebe es nach wie vor Verhandlungen über einen Nachfolgebetrieb. Derzeit gebe es noch drei Interessenten, die infrage kämen. "Es wird sich im Jänner weisen, ob es mit der Firma weitergeht oder nicht", berichtete Schreiner.

Wegen des notwendigen hohen technischen Aufwandes müsse der Betrieb weiter am Laufen gehalten werden. Deshalb seien einige Mitarbeiter weiter beschäftigt. Rund 50 Mitarbeiter befänden sich in einer Arbeitsstiftung, ein Teil sei zu anderen Betrieben gegangen. "Eine ganz kleine Anzahl" von Mitarbeitern habe weder eine neue Beschäftigung, noch wollten sie in die Arbeitsstiftung.

In den 1978 ins Leben gerufenen Insolvenzentgeltsicherungsfonds, der die Ansprüche der Arbeitnehmer sichern soll, mussten Unternehmen bis 2008 0,7 Prozent der Lohnsumme einzahlen. Derzeit liege der Beitrag bei 0,55 Prozent. "Der Fonds ist mit 150 Mio. Euro verschuldet. Es müssen ständig Darlehen aufgenommen werden, damit die Ansprüche österreichweit ausbezahlt werden können", so Schreiner. Deshalb fordere die Arbeiterkammer, den Fonds aufzustocken und den Unternehmerbeitrag wieder auf 0,7 Prozent anzuheben.