Erstellt am 10. Juni 2012, 12:53

Westbahn brachte Vorteile für ÖBB-Kunden. Ein halbes Jahr nach dem Start der mehrheitlich privaten Westbahn und zwei Jahre nach seinem eigenen Antritt an der ÖBB-Spitze zieht ÖBB-Chef Christian Kern im APA-Gespräch eine Zwischenbilanz: Durch den Markteintritt der zwischen Wien und Salzburg fahrenden Westbahn habe die ÖBB zwar auf dieser Strecke Kunden verloren, insgesamt sei das Bewusstsein fürs Bahnfahren aber gestiegen.

Der Wettbewerb habe zudem bei den ÖBB Verbesserungen für ihre Bahnkunden vorangetrieben. "Die Westbahn ist gut gemacht und wird ihre Anfangsschwierigkeiten überwinden, deshalb bleibt sie für die ÖBB ein ernstzunehmender Konkurrent", resümiert Kern. Auf der Strecke Wien-Salzburg habe die Bundesbahn zwar Kunden verloren, da das Zug-Angebot insgesamt um ein Drittel gestiegen sei. Einen guten Teil des Passagierverlusts konnten die ÖBB aber über neue Angebote wieder kompensieren. Für beide Bahnbetreiber sei es schwierig, auf der Westbahnstrecke nachhaltig Gewinne zu schreiben.

Die Westbahn steht im Eigentum der französischen Staatsbahn SNCF. Durch den Infrastrukturausbau werde die Bahnfahrt auf der Westbahnstrecke noch schneller. Dann werde die Strecke Wien-Salzburg in 2 Stunden 22 Minuten im Zug zu bewältigen sein, zwischen Wien und St. Pölten vergehen dann nur mehr 25 Minuten. Durch die Beschleunigung würden mehr Kunden vom Auto auf die Bahn umsteigen, ist Kern überzeugt.

Der neue Konkurrent habe sicherlich zur Beschleunigung der Qualitätsverbesserung bei den ÖBB beigetragen, konstatiert Kern, und das nicht nur auf der Westbahnstrecke: "Die Kunden haben profitiert". Der Railjet werde ab Mitte Juli flächendeckend auf der Südstrecke unterwegs sein - damit könne zwar wegen der Streckengegebenheiten keine Fahrzeit verkürzt werden, doch der Komfort für die Fahrgäste werde durch das moderne Zugmaterial erhöht. Die ÖBB seien in den letzten Jahren bei ihren Reformbemühungen ein gutes Stück vorangekommen, aber noch längst nicht am Ziel, resümiert Kern.