Erstellt am 09. Dezember 2013, 16:37

Westbahn verlangt Aufpreise auf Zeitkarten. Zwischen der Westbahn und dem Verkehrsverbund Ost-Region VOR ist der Konflikt nun eskaliert.

Pendler mit Wochen-, Monats- und Jahreskarten der Verkehrsverbünde Ost-Region (VOR) und NÖ-Burgenland (VVNB) müssen ab dieser Woche in den Verkehrsspitzenzeiten in NÖ und Wien Aufpreise zahlen, wenn sie mit der WestBahn fahren.Gleiss  |  NOEN, FRANZ GLEISS
Westbahn-Geschäftsführer Erich Forster kündigte heute, Montag, neue Aufpreise auf Zeitkarten zu Spitzenzeiten an. Der ÖBB Personenverkehr verhindere eine faire Einnahmenaufteilung beim VOR, so der Vorwurf. Die Reaktion des VOR: Man bedaure die Entscheidung der Westbahn, den Verbundraum zu verlassen.

Der Westbahn-Geschäftsführer erläuterte am Vormittag vor Journalisten seine Unzufriedenheit mit dem VOR-System und kündigte neue Aufpreise ab 13. Dezember für Zeitkarten und Top-Jugendtickets an. Auf den Strecken Wien-St.Pölten, St.Pölten-Amstetten und in der Kernzone 100 (Westbahnhof - Wien Hütteldorf) werde in den Westbahn-Zügen ein Aufpreis von 2 Euro eingehoben, zwischen Wien und Amstetten ein Aufpreis von 3 Euro. Dieser gelte nur bei Zustieg in den Spitzenzeiten, also vor 9.00 Uhr und nach 15.30 Uhr (Montag bis Donnerstag), vor 9.00 Uhr und nach 12.00 Uhr (Freitag), vor 10.00 Uhr und nach 15.30 Uhr (Samstag) und nach 12.00 Uhr (Sonntag). Für Schüler- und Lehrlingsfreifahrten wird kein Aufpreis verlangt.

"Zu wenig Geld" für Westbahn

Die Ostregion als mit Abstand stärkster Nachfragebereich sei finanziell für die Westbahn besonders kritisch, erklärte Forster, auch designierter Rail Holding-Chef. Die Westbahn erhalte aufgrund der "Light-Mitgliedschaft" im VOR zu wenig Geld, nämlich keine Einnahmenanteile für Einzeltickets Wien – St. Pölten oder Amstetten zum Einzelfahrten-Verbundtarif, keine Einnahmenanteile an Kernzonentickets für Kunden zwischen Hütteldorf – Wien West und könne in keinem Gremium mitwirken. Bei den Zeitkarten und Jugend-Netzkarten werde eine Einnahmenbeteiligung der Westbahn nach der echten Nutzung verweigert, denn ÖBB-Personenverkehr und VOR akzeptierten nur ein Modell nach Zuganteilen - das werde aber der Lage bei der Westbahn nicht gerecht. Außerdem weigere sich das Verkehrsministerium soziale Tarife zu stützen.

"Ansage der Westbahn, den Verbundraum zu verlassen"

"Wir sehen das als klare Ansage der Westbahn, den Verbundraum zu verlassen", reagierte der Sprecher des VOR, Georg Huemer. Der VOR bedaure diese Entscheidung der Westbahn, allerdings müssten im Verbund gemeinsame Spielregeln für alle gelten. Schon seit der ersten Entscheidung der Westbahn, ab September einseitig Aufschläge einzuführen, würden intensive Gespräche geführt. Die Westbahn stelle 18 Prozent der Leistungen und kriege 18 Prozent der verteilten Einkünfte - "jetzt wollen sie mehr", erläuterte der VOR-Sprecher. Trotz allem hoffe man noch auf eine partnerschaftliche Einigung im Interesse der Fahrgäste. Wenn die Westbahn nun ab 13. Dezember Aufschläge verlange, dann bedeute das für die Fahrgäste, dass sie nicht mehr mit Verbundkarten in Westbahn-Zügen fahren könnten - auch nicht wenn sie den Aufpreis bezahlten.

Der Tarifverbund VOR erstreckt sich über Wien, Niederösterreich und das Burgenland und wird von über 40 Verkehrsunternehmen getragen. Zu den Verbundpartnern gehören Schienenverkehrsunternehmen wie ÖBB, Raaberbahn, NÖVOG, Wiener Lokalbahnen und die Wiener Linien sowie über 30 Busunternehmen.