Erstellt am 27. März 2012, 13:26

Wiener sind Sparmeister beim Tanken und Autofahren. Die Wiener sind Sparmeister beim Autofahren: Laut einer Untersuchung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) wird in der Bundeshauptstadt im Bundesländer-Vergleich am wenigsten Sprit benötigt.

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 2011 tankten die Wiener für ihre Autofahrten 342 Liter pro Kopf, der Österreich-Schnitt lag bei 429 Liter, berichtete VCÖ-Sprecher Christian Gratzer in einer Pressekonferenz am Dienstag. Zudem haben die Wiener Haushalte mit durchschnittlich 4.115 Euro pro Jahr auch die niedrigsten Mobilitätsausgaben.
 
Grund für das Ergebnis ist, dass die Wiener weniger Wege mit dem Pkw zurücklegen als mit anderen Verkehrsmitteln. Vielmehr wurden im Vorjahr 71 Prozent aller Alltagswege mit Öffis, zu Fuß oder mit dem Fahrrad absolviert, berichtete Gratzer. Der Auto-Anteil ist in den vergangenen 20 Jahren von 40 auf 29 Prozent im Jahr 2011 gesunken. Der VCÖ-Sprecher präsentierte auch weitere Vergleichszahlen: Gab es im Jahr 2004 noch 404 Pkw pro 1.000 Einwohner, so sind es heutzutage 394. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Öffi-Fahrer von 735 Millionen auf 875 Millionen gestiegen. Der Radverkehrsanteil hat sich von drei Prozent im Jahr 2004 auf sechs Prozent im Vorjahr verdoppelt.
 
Diese Mobilitätsverhalten kommt den Geldbörsen der Wiener zugute: Denn in der Bundeshauptstadt wird weniger Sprit gebraucht als in Rest-Österreich. 2011 tankte jeder Einwohner 342 Liter. Zum Vergleich: Im zweitgereihten Vorarlberg waren es 401 Liter und in Kärnten, das auf dem letzten Platz landete, sogar 485 Liter. Auch bei den Mobilitätskosten hat Wien die Nase vorne, denn ein großer Teil der Haushalte - laut Statistik Austria 41 Prozent - kommt ohne Auto aus. "Das Auto ist Preistreiber Nummer eins bei den Mobilitätskosten", so Gratzer. Ein Wiener Haushalt gibt für Mobilität im Schnitt 4.115 Euro jährlich aus. Haushalte in Niederösterreich müssen hingegen 6.120 Euro berappen.
 
Gratzer wies auch darauf hin, dass zu Fuß gehen, Öffis und Radfahren wichtige Wirtschaftsfaktoren sind. Die erfolgreichsten Einkaufsstraßen Wiens seien Fußgängerzonen. Der VCÖ geht davon aus, dass der Radverkehr 2011 eine Wertschöpfung von mehr als 60 Mio. Euro erbrachte. Weiters würden in der Bundeshauptstadt Schienenfahrzeuge hergestellt und in die ganze Welt exportiert werden, so Gratzer. Hier sieht er Chancen für die Zukunft. Wenn sich Wien zum Kompetenzzentrum des öffentlichen Verkehrs und bei der Qualität und Nutzung der Öffis zur Vorzeigestadt entwickle, dann könnten Schienenfahrzeuge "made in Vienna" zum Exportschlager werden. Das würde viele neue Arbeitsplätze schaffen.
 
Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (G) unterstrich, dass das Thema Mobilität für Städte aufgrund des Bevölkerungswachstums "eines der heißesten Themen der nächsten Jahrzehnte" sei. Wien habe die 1,7-Mio.-Einwohner-Marke überschritten, bis 2030 würden mehr als zwei Mio. Einwohner in der Bundeshauptstadt leben. Ihr Ziel für die Zukunft lautet: "Wir wollen Europas klimafreundlichste Stadt werden."
 
Heute wurde auch der alljährliche Mobilitätspreis ausgeschrieben, der vom VCÖ gemeinsam mit der Stadt Wien und dem ÖBB-Postbus durchgeführt wird. Das diesjährige Motto lautet "Nutzen nachhaltiger Mobilität". Gesucht werden Projekte, welche die Menschen nicht nur "von A nach B" bringen, sondern auch einen mehrfachen Nutzen liefern - für die Umwelt, die Gesundheit sowie die privaten und öffentlichen Haushalte. Bis 30. Juni können Unternehmen, Bezirke, Unis, Fachhochschulen, Schulen, Organisationen und Vereine umgesetzte Projekte einreichen. Privatpersonen können sich ebenfalls mit Projektideen beteiligen. Die nötigen Unterlagen gibt es unter http://www.vcoe.at.