Erstellt am 20. Januar 2013, 13:38

Wifo-Chef Aiginger für höhere Grundsteuer. Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, hat sich am Sonntag für eine höhere Grundsteuer sowie einen stärkeren sozialen Wohnbau ausgesprochen.

Von Mietpreisobergrenzen hält er nichts. Der Faktor Arbeit müsse hingegen steuerlich entlastet werden. Eine große Inflationsgefahr sieht der Ökonom derzeit nicht.

Für Österreichs Wirtschaftsentwicklung 2013 ist er optimistisch, das BIP werde um 1 Prozent wachsen, bekräftigte er die im Dezember abgegebene Prognose seines Instituts. Zwar hätten die meisten Konjunkturindikatoren bis November nach unten gezeigt, jetzt deuteten sie allerdings wieder auf Wachstum hin.

Angesprochen auf die nachlassende Nachfrage in der Industrie meinte er, dass die Investitionen heuer laut einer Wifo-Erhebung um rund zehn Prozent steigen dürften. Die von der Industrie erwarteten bis zu 20.000 Kurzarbeiter bereiten Aiginger keine großen Sorgen.

Aber: Ohne Reformen werde Österreich bei Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Pro-Kopf-Einkommen zurückfallen, mahnte der Wifo-Chef. Eine "ganz große Baustelle" ist aus seiner Sicht der Bildungsbereich. "25 Prozent der Jugendlichen können am Ende ihrer Ausbildung nicht sinnerfassend lesen - ein größeres Armutszeugnis für die Bildungspolitik gibt es nicht."

Auch dem Mangel an Facharbeitern auf der einen und dem Überangebot an unqualifizierten Arbeitskräften müsse man dringend beikommen. Die Lehrlingsausbildung sei derzeit zu spezialisiert und zu wenig mit Schulbildung verknüpft.

Zu den in den vergangenen Jahren massiv gestiegenen Wohnkosten meinte der Wifo-Chef, dass mehr und kleinere Wohnungen gebaut werden sollten. Derzeit lebten sehr viele Österreicher in zu großen Wohnungen oder Häusern. Das rühre auch von der hierzulande sehr geringen Grundsteuer. Von strengen Mietpreisobergrenzen hält er nichts. Dies sei "ein Rezept von gestern".