Erstellt am 13. September 2013, 11:29

Wifo-Chef warnt vor Unterschätzung der Demografie. Wifo-Chef Aiginger warnt die heimische Politik davor, den demografischen Wandel und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Pensionssystem zu unterschätzen.

Derzeit gebe es noch keine Probleme, wenn die Politik aber nicht mit Maßnahmen reagiere, könnte es durchaus zu dramatischen Auswirkungen kommen, sagte Aiginger bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Wien.

Alterung und Qualifikation als Challenges der Zukunft

Das Arbeitskräfteangebot in Österreich soll laut Prognosen bis 2030 durch Migration und eine höhere Beschäftigungsquote stabil bleiben. Als größte Herausforderung für die Politik ortet Aiginger die Alterung der erwerbstätigen Bevölkerung und die Notwendigkeit, die Qualifikationen der heimischen Arbeitskräfte zu erhöhen.

IHS-Chef Christian Keuschnigg verwies auf die steigenden Kosten (u.a. Pensionen, Gesundheitssystem, Pflege) durch die längere Lebenserwartung der Bevölkerung. 2060 müsste der österreichische Staat 28,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die alternde Bevölkerung ausgeben und damit um 4,4 Prozentpunkte mehr als 2010.

Zum Vergleich: In den EU-Staaten werden im Jahr 2060 insgesamt 25,9 Prozent (+3,7 Prozentpunkte) des BIPs dafür ausgeben.

Änderungen auf deutschem Arbeitsmarkt werden sich auswirken

Es gebe drei Möglichkeiten im Pensionssystem auf die längere Lebenserwartung zu reagieren, so Keuschnigg. Das Pensionsalter zu heben, die Beiträge zu erhöhen oder Pensionszahlungen zu kürzen. Der beste Weg sei das Pensionsalter zu erhöhen, etwa auf 67 Jahre, betonte der IHS-Chef.

Deutschland wird bis 2030 laut Prognosen rund 8 Millionen Arbeitskräfte - rund 15 Prozent der Erwerbsbevölkerung - verlieren. Dies werde auch Auswirkungen auf den Konsum haben, betonte der Direktors des deutschen Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann.

Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, verwies bei der Podiumsdiskussion auf die vielen Teilzeitkräfte in Deutschland. Allein durch die Umwandlung von unfreiwilligen Teilzeit-Arbeitskräften könnten eine Million Arbeitsplätze als Vollzeitäquivalente geschaffen werden.

Auch könnte der Rückgang der Erwerbsbevölkerung durch eine höhere Beschäftigungsquote, ein längeres Berufsleben und verstärkte Immigration kompensiert werden.