Erstellt am 15. November 2011, 12:59

Wifo-Experte: Österreich, Deutschland vor Stagnation zur Jahreswende. Trotz der noch ansehnlichen BIP-Zuwächse im 3. Quartal stehen sowohl Österreich als auch Deutschland vor einem Nullwachstum rund um den Jahreswechsel.

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Es gelte weiterhin das schon bei der letzten Prognose der Institute Ende September gezeichnete Bild, dass es in beiden Ländern im 4. Quartal dieses Jahres oder im 1. Quartal 2012 zu einer Stagnation kommen könnte - möglicherweise sogar mit einem kurzen Abrutschen ins Minus, sagte Wifo-Experte Marcus Scheiblecker am Dienstag zur BIP-Schnellschätzung.
 
Die Wachstumsunterschiede der beiden Länder im 3. Quartal sind für Scheiblecker eher statistisch zu erklären: "Beide Wirtschaftsräume wachsen kräftig und beide Länder wachsen ungefähr gleich stark." In Deutschland sei der konjunkturelle Einbruch kräftiger ausgefallen, daher habe man sich dort auch auch wieder rascher erholt. Zudem sei der Haupthandelspartner Österreichs exportorientierter.
 
In Österreich hat sich wie berichtet das BIP-Wachstum im Quartalsabstand von 0,5 auf 0,3 Prozent verringert, in Deutschland dagegen legte es im 3. Quartal von 0,3 auf 0,5 Prozent zu.
 
Dass rund um die Jahreswende eine Stagnation oder sogar ein leichtes Abrutschen ins Minus möglich sei, zeigten auch die Wachstumsindikatoren der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), so Scheiblecker.
 
Zu der von der Regierung beschlossenen "Schuldenbremse" sagte der Wifo-Experte, dass ein solcher Schritt grundsätzlich die Konjunktur dämpfe - in welchem Ausmaß, lasse sich aber erst sagen, sobald dazu konkrete Maßnahmen fixiert sind. Verwaltungsreformen etwa würden die Inlandsnachfrage kaum dämpfen. Ebenso würden Einsparungen bei den Anschaffungen des Bundesheeres oder die Einführung einer Vermögenssteuer die Konjunktur kaum treffen. Schritte zur Eindämmung der Frühpensionen dagegen würden die Nachfrage sehr tangieren. Langfristig könnte von der Schuldenbremse das Wachstum aber auch profitieren - so wie sich auch die Reorganisation eines Unternehmens auf die anschließende Prosperität positiv auswirken könne.