Erstellt am 24. Januar 2011, 15:30

Wifo: Österreich Wirtschaft wächst bis 2015 um 2,2 Prozent. Die Koalitionsparteien zeigen sich zufrieden über die jüngste mittelfristige Wachstumsprognose des Wirtschaftsforschungsinstituts.

 |  NOEN
Österreichs Wirtschaftsleistung wird bis 2015 im Durchschnitt um 2,2 Prozent pro Jahr steigen - dennoch wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht entspannen. Das geht aus der jüngsten Mittelfrist-Konjunkturprognose des Wifo hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Demnach wird die Arbeitslosenquote in den nächsten Jahren (nach österreichischer Berechnung) durchschnittlich 6,8 Prozent betragen. Relativ zuversichtlich sind die Wirtschaftsforscher, was den Anstieg der Staatsschulden angeht: Der Schuldenberg wird weiter wachsen - 2011 beträgt das Budgetdefizit 3,1 Prozent des BIP - die Neuverschuldung verlangsamt sich aber bis 2015 auf 1,8 Prozent des BIP.

Dafür seien aber grundlegende Strukturreformen im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung sowie bei der Staatsorganisation und den Förderungen nötig, heißt es. Allerdings haben die Steuererhöhungen auch den unangenehmen Nebeneffekt, die Teuerung zu beschleunigen. Durch die höhere Steuerbelastung und die anhaltende Verteuerung der Rohstoffe wird die Inflation nach Berechnungen des Wifo heuer auf 2,1 Prozent steigen. Im gesamten Prognosezeitraum soll sie bei 1,9 Prozent pro Jahr liegen. Die wirtschaftliche Erholung nach der schweren Rezession im Jahr 2008 habe Mitte 2009 begonnen, so die Wifo-Experten.

Die positive Entwicklung der österreichischen Exporte sei nicht zuletzt auf die expansive Geld- und Fiskalpolitik in den großen Wirtschaftsräumen und die rasche Erholung in den Schwellenländern zurückzuführen. Die Weltwirtschaft wird nach Ansicht des Wifo bis 2015 jährlich um 4,5 Prozent wachsen, die österreichischen Exporte um 6,2 Prozent pro Jahr. Da die Importe mit 5,8 Prozent pro Jahr etwas schwächer steigen, wird der Außenbeitrag das heimische Wirtschaftswachstum stützen. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen laut Prognose um 2,9 Prozent pro Jahr wachsen, der Konsum um 1,2 Prozent. Die Beschäftigung wird laut Wifo jährlich um 0,6 Prozent zunehmen. Da aber das in- und ausländische Arbeitskräfteangebot etwa gleich schnell wachsen werde, sei vor 2014 mit keiner weiteren Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen.

Selbszufriedenheit in Regierung

Die Koalitionsparteien haben sich am Montag zufrieden über die Wachstumsprognose des Wifo gezeigt. Die österreichische Regierung habe die "Basis für Jahre des Aufschwungs gelegt", erklärte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V). Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder (S) erwartet nun "dauerhaft gute Konjunkturdaten", die Prognose sei Ansporn für die Regierung "die Arbeit entsprechend fortzusetzen".

Fritz Amann vom Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) bezeichnete die Reaktionen auf die Wifo-Prognose bis 2015 als "Chuzpe", die Regierung habe alles getan, um den wirtschaftlichen Aufschwung zu gefährden.

"Diese erfreuliche Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts zeigt, dass die Große Koalition rasch und richtig auf die Wirtschaftskrise reagiert und damit die besten Voraussetzungen für ein Wachsen der Wirtschaftsleistung gesetzt hat", so SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer. Die österreichischen Firmen könnten nun "mit voller Kraft und erfahrenen Mitarbeitern durchstarten".

"Finanzminister Josef Pröll hat in Zeiten der Krise die richtigen Maßnahmen gesetzt, um die Wirtschaft zu stabilisieren und Österreich sicher aus der Krise zu führen", so ÖVP-Wirtschaftssprecher Konrad Steindl. "Österreich steht im EU-Vergleich gut da, das hat Finanzminister Josef Pröll durch konsequente Budgetdisziplin erreicht", meinte Finanz-Staatssekretär Reinhold Lopatka (V). Peter Haubner (V), Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, führt das Wirtschaftswachstum auf "erfolgreiche Unternehmen" zurück.