Erstellt am 30. September 2011, 14:40

Wirbel um geplante Einführung von Biosprit E10. Die Bestrebungen von Landwirtschafts- und Umweltminister Berlakovich, den umstrittenen Treibstoff E10 (Benzin mit knapp 10 Prozent Ethanol-Beimischung) im kommenden Jahr einzuführen, hat am Freitag für Diskussionen gesorgt.

Während Arbeiterkammer und ARBÖ den Biosprit strikt ablehnen, betonte der Zuckerkonzern Agrana, dass es für die E10-Einführung keiner zusätzlichen Getreideanbauflächen bedürfe.

Minister Berlakovich wolle die Preisspirale bei Nahrungsmitteln, insbesondere bei Zucker, weiter anheizen, empörte sich AK-Direktor Werner Muhm. Die Konsumenten würden in jedem Fall draufzahlen: Entweder Benzin würde sich um 2,5 Cent pro Liter verteuern oder "noch schlimmer"über die "vom Landwirtschaftsminister gewünschte besondere steuerliche Entlastung von 160 Millionen".

Mit der E10-Einführung komme Berlakovich "ausschließlich" den Wünschen der Agrarindustrie entgegen, allen voran der Agrana. Dem Argument, dass für E10 keine zusätzlichen Flächen gebraucht würden, könne die AK nicht folgen.

Laut Agrana deckt die österreichische Ethanolproduktion bereits jetzt den Bedarf für E10. Im Agrana-Bioethanolwerk im niederösterreichischen Pischelsdorf würden momentan jährlich rund 210.000 Kubikmeter Bioethanol hergestellt, teilte das Unternehmen mit. Den dafür benötigten Rohstoff bezifferte eine Sprecherin gegenüber der APA auf 500.000 Tonnen Getreide, davon etwa die Hälfte Mais und die Hälfte Weizen. "Bei Durchschnittserträgen entspricht das in etwa 70.000 Hektar" - das sind knapp 100.000 Fußballfelder. Woher das Getreide stammt? "Der Rohstoff kommt sowohl aus Österreich als auch aus den angrenzenden Nachbarländern."

Laut ARBÖ ist der Umweltnutzen von E10 noch nicht nachgewiesen und viele Autos würden durch diese Kraftstoffmischung geschädigt. E10 hatte in Deutschland massive Probleme verursacht und war von Autofahrern boykottiert worden.