Erstellt am 05. Dezember 2011, 13:35

Wirtschaftskammer dämpft Exporthoffnungen für 2012. Die österreichische Exportindustrie hat in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt verloren und rechnet für 2012 nur mehr mit einem nominellen Wachstum von 3,5 Prozent. Für das heurige Jahr sieht die Außenwirtschaftsorganisation (AWO) der Wirtschaftskammer ein Wachstum von elf Prozent.

In den ersten Monaten waren die Ausfuhren noch um 20 Prozent gewachsen und bis Ende August legten sie noch um 15 Prozent zu. Trotz der Verlangsamung sei das heuer zu erwartende elfprozentige Exportwachstum "fantastisch", sagte AWO-Chef Walter Koren. Stark kürzen musste die WKO ihre Exporterwartungen für 2012. Im Mai war man noch von einem Plus von neun Prozent ausgegangen.

Trotz aller Unsicherheiten könne man nach wie vor auf eine gesunde Realwirtschaft bauen, speziell beim Haupthandelspartner in Deutschland sei diese "robuster" als vielfach erwartet, sagte Koren: "Der Krampus regiert momentan die Finanz- und der Nikolo die Realwirtschaft." Was die Finanzmärkte angehe, "bin ich überzeugt, dass man den Ernst der Lage erkannt hat und zur Stabilisierung eine Schuldenbremse bzw. eine Fiskalunion auf den Weg gebracht wird". Bei den Exporten müsse man sich 2012 aber auf eine "Abflachung" einstellen.

Mit dem für 2011 erwarteten Ausfuhrwert von 121,4 Mrd. Euro hat Österreich den Anschluss an die Zeit vor der Krise gefunden und das bis jetzt beste Jahr 2008 (117,5 Mrd. Euro) übertroffen. Allerdings waren damals auch die Importe deutlich niedriger und das Handelsbilanzdefizit viel kleiner.

Die von der AWO erwähnte Statistik umfasst nur den Warenaustausch. Mit den Dienstleistungsexporten, zu denen auch der Tourismus zählt, kommen wertmäßig rund 25 Prozent dazu. Wegen der guten Dienstleistungsbilanz "erwarten wir für 2011 und 2012 jeweils ein klares Plus in der Leistungsbilanz", sagte Koren.

Unterdessen haben die deutschen Exporte in der Nacht zum Montag erstmals die Marke von einer Billion Euro überstiegen. Im Gesamtjahr 2011 werden die Ausfuhren um zwölf Prozent auf 1,075 Bio. Euro steigen. Die Importe werden sogar um 14 Prozent zunehmen und eine Summe von 919 Mrd. Euro erreichen.