Erstellt am 14. Dezember 2012, 18:36

Witterung und Software bremsten Züge auf Westbahn-Strecke. Gleich zwei "Bremsen" haben laut Medienberichten in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass der am Sonntag in Kraft getretene ÖBB-Fahrplan nicht immer versprochene Fahrzeitverkürzungen bringen konnte.

Der Railjet muss langsamer über den Semmering fahren.ÖBB  |  NOEN
Mit den winterlichen Witterungsverhältnissen und Anfangsproblemen mit der Software für das System ETCS (European Train Control System) hatte auch Westbahn GmbH zu kämpfen. Beim Konkurrenten gab es zuletzt Berichte von aus der unteren Verankerung gesprungenen Türen. "Zweimal war dies der Fall, aber jeweils nicht sicherheitsrelevant für die Fahrgäste", bestätigte Pressesprecher Manfred Mader.

Die witterungsbedingte durch potenziell gefährliche Eisklumpen ausgelöste Geschwindigkeits-Beschränkung auf 160 km/h auf dem Westbahn-Teilstück Sankt Pölten-Linz wurde am Freitag wieder aufgehoben, wie Christopher Seif, Pressesprecher der ÖBB für Niederösterreich, in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilte. Am Freitagvormittag hieß es auf dem ÖBB-Internetportal noch, dass die Reisezeit 11. bis zum 24. Dezember in diesem Abschnitt bis zu zehn Minuten länger dauere.

Die ETCS-Probleme sind noch nicht ganz ausgeräumt, mit kolportierten Verspätungen von rund einer Viertelstunde als Folge, da in diesem Fall nicht die neue Tullner Spange zwischen Wien und Sankt Pölten befahren werden kann. Zum einem waren einige ICE-Züge der Deutschen Bahn (DB) noch nicht mit ETCS ausgerüstet, sodass sie auf der alten Strecke fahren mussten. Darüber konnten sich vereinzelt Züge nicht bei ETCS anmelden. "Die DB hat uns versprochen, dass diese Züge bis zum Jahreswechsel mit ETCS ausgerüstet sind. Unsererseits mussten wir gestern vier Railjets außerplanmäßig zwischen Wien und Sankt Pölten umleiten – Anfangsschwierigkeiten, die wir in den Griff bekommen werden", versprach Seif.

Schwierigkeiten mit Railjets gab es indirekt auch für die Westbahn GmbH. Dann nämlich, wenn im Tunnel Garnituren des Bahnbetreibers, an dem Frankreich über die SNCF mit 35 Prozent beteiligt ist, einem solchen begegnen. "Zweimal ist dabei eine Türe aus der unteren Verankerung gesprungen", bestätigte Westbahn-Sprecher Mader dahin gehende Medienberichte. Eine Gefahr für die Zuggäste hätte dadurch aber zu keinem Zeitpunkt entstanden. Es gab auch keine Sachschäden an den betroffenen Türen.

Obwohl ein Sicherheitsgutachten den Westbahn-Loks auf der betroffenen Bereich Tullner Feld-Sankt Pölten eine Geschwindigkeit von 200 km/h erlaube, fahre man bis zur Klärung der Ursache dort nur 160 km/h. Laut Mader verlängere dies die Fahrzeit nur um etwa eineinhalb Minuten. Startprobleme mit der ETCS-Software habe man aber ebenfalls, was fallweise eine Umleitung auf die alte Strecke notwendig macht.

Zu den "Türproblemen" meldete sich am Freitag auch der ÖBB-Betriebsrat in einer Aussendung zu Wort, in dem er unter anderem eine "Abkehr vom bestehenden Selbstkontrollsystem" forderte. In einer Stellungnahme der Westbahn hieß es, dass Zulassungsverfahren für Schienenverkehrsfahrzeuge selbstverständlich von behördlicher Seite durchgeführt werden und von einer "Selbstkontrolle" keine Rede sein kann.