Erstellt am 07. März 2012, 00:00

ZAHLEN UND FAKTEN. STUDIE / Laut einer aktuellen Studie sind Burgenlands Turnusärzte österreichweit mit ihrer Ausbildung am unglücklichsten. Blutabnahmen und Bürokratie stehen am Plan.

 |  NOEN, WODICKA
VON DORIS SEEBACHER

Turnusärzte haben kein leichtes Los. Während ihrer rund dreijährigen Ausbildung besteht ihre Hauptaufgabe darin, Tätigkeiten wie Blutabnehmen, Infusionen anlegen oder Bürokratisches zu erledigen. Das ergaben jetzt die ersten Ergebnisse einer aktuellen Studie, die österreichweit von der Ärztekammer durchgeführt wurde.
„Das Erfreuliche dazu zuerst“, so Michael Lang, Präsident der Ärztekammer Burgenland und selbst Chirurg am Krankenhaus Oberpullendorf. „Die Betreuung durch die Kollegenschaft ist im Burgenland deutlich besser als im restlichen Österreich.“ Traurig sei dennoch, dass die burgenländischen Turnusärzte im Österreichvergleich am unglücklichsten erscheinen.

Hauptkritikpunkte: Infusionen müssen deutlich häufiger hergerichtet und gemischt werden und die Nachtdienstbelastung liegt deutlich höher als in Restösterreich. „Blutabnahmen und Infusionen sind zwar Teil der Ausbildung, sollen aber nicht überwiegen“, so Lang. Außerdem nehme laut Lang die bürokratische Belastung immer mehr zu.
„Turnusärzte wollen etwas lernen, nur im Alltag kommen sie oft nicht dazu“, erklärt auch Turnusärztesprecherin Katharina Pachner die Situation.

„Wollen etwas lernen, doch es ist zu wenig Zeit“

Den Alltag, den sie selbst als Turnusärztin im Krankenhaus Oberpullendorf miterlebt, beschreibt sie so: „Der Tag beginnt mit der Morgenrunde mit Blutabnahmen und Infusionen sowie mit Besprechung über die Patienten“. Nebenbei müssen Informationen im Computer verfasst, Entlassungsbriefe geschrieben sowie Aufnahmen durchgeführt werden. „Ein Turnusarzt macht viele Arbeiten für die andere keine Zeit haben - so ist das System“, so Pachner, denn es gäbe immer zu wenig Personal. Wie reagieren nun frustrierte Turnusärzte auf ihre unbefriedigende Ausbildung? „Es kommen viele zu mir und machen ihrem Ärger Luft“, so Pacher. „Und viele resignieren und sagen, da muss ich halt diese drei Jahre durchhalten“.
Ein weiteres Problem: Es wollen zu wenige Jungmediziner ihren Turnusdienst im Burgenland absolvieren, und das, obwohl es in Wien eine Warteliste mit Wartezeiten von bis zu zwei Jahren gibt.

ZAHLEN UND FAKTEN
  • Im Burgenland arbeiten derzeit 100 Turnusärzte. Die Ausbildung dauert zwischen 36 und 40 Monate. Während dieser Zeit durchlaufen die Jungärzte sämtliche Abteilungen eines Krankenhauses.
  •  Für die Ausbildung verantwortlich ist in erster Linie der Primararzt und ein weiterer eigens ernannter Ausbildungsverantwortlicher der Abteilung. Am Ende ihrer Ausbildung muss eine österreichweit einheitliche Abschlussprüfung positiv absolviert werden.
  • Das Gehalt für eine 40-Stunden-Woche beträgt während dieser Zeit 2.553,40 Euro.