Erstellt am 22. Februar 2012, 00:00

ZAHLEN UND FAKTEN. BAU UND TOURISMUS / Firmen, die Leute kündigen, müssen ab 2013 110 Euro Auflösungsabgabe bezahlen. Baugewerbe und Tourismus wären davon besonders betroffen.


VON DORIS SEEBACHER

Das neue Sparpaket der Regierung sieht vor, dass Betriebe, die ab 2012 Mitarbeiter entlassen, pro Entlassung 110 Euro bezahlen sollen. Das würde im Burgenland vor allem das Baugewerbe und den Tourismus stark treffen. Denn gerade in diesen Branchen ist es üblich, die Mitarbeiter bei schlechter Auftragslage aufgrund der Jahreszeit kurzfristig zu kündigen und sie nach einigen Wochen wieder einzustellen.

Maria Epple, Bauinnungsmeisterin im Burgenland, erklärt die Situation im Burgenland so: „In der Regel arbeiten die Angestellten am Bau bis knapp vor Weihnachten, dann gehen sie für drei Wochen in Urlaub“.

„Arbeiten bei minus zehn  Grad ist unzumutbar“

Danach komme es auf das Wetter an. „Heuer war es so, dass genau Mitte Jänner der Kälteeinbruch kam“, so Epple weiter. „Man kann Arbeitern nicht zumuten, bei minus zehn Grad zu arbeiten.“ Und auch die Materialkosten seien bei Kälte aufgrund von Heizkosten und Frostschutz um einiges höher.

Weiters würde die Schwarzarbeit zunehmen. „Geht man jetzt zum Arbeitsamt, wenn man kurzfristig Aushilfe braucht, so werden manche Betriebe in Zukunft vielleicht auf Schwarzarbeiter zurückgreifen, um sich die 110 Euro bei Wiederkündigung zu ersparen“, so Epple.

Auch Tourismus wehrt sich  gegen „Geldbeschaffung“

In der Tourismusbranche steht man der Auflösungsabgabe ebenfalls negativ gegenüber, vor allem auch deshalb, weil es sich dabei um eine „reine Geldbeschaffungsaktion“ handle, ist Franz Perner, Touristiker der Wirtschaftskammer Burgenland überzeugt.

„Das wäre eine Katastrophe, denn fast jeder Saisonbetrieb im Burgenland setzt seine Mitarbeiter zwischen Martini und April frei“, so Perner.

Etwa 1500 Mitarbeiter in der Tourismusbranche wären davon im Burgenland betroffen.


ZAHLEN UND FAKTEN

  • Ab 2012 sollen Betriebe für Mitarbeiter, die durch Kündigung oder einvernehmliche Auflösung das Unternehmen verlassen, 110 Euro bezahlen. Betroffen wären davon auch Praktikanten, Leih- und Saisonarbeiter.
  • Ausgenommen davon werden Lehrlinge und geringfügig Beschäftigte sein.
  • Im Burgenland gab es Ende Jänner 11.937 Arbeitslose.
  • 5243 davon haben eine Einstellungszusage, 2709 davon in der Baubranche.
  • Insgesamt wechselten 2011 10.816 Personen von einer unselbstständigen Beschäftigung in die Arbeitslosigkeit.